Seit Claudia im Jahr 2005 das erste mal aus dem Krankenhaus kam hatte ich ein sehr starkes Bedürfnis alles festhalten zu wollen. Besonders das Wissen und die Erinnerungen in ihrem Kopf drohten verloren zu gehen, was mich sehr beschäftigt hat. Ich versuchte soviel wie möglich von ihr zu lernen. Ich habe in den ersten Monaten sehr viel fotografiert und mit der Kamera gefilmt. Ich bat sie alle möglichen Dinge aufzuschreiben, lernte besser kochen, legte dabei ein Kochbuch mit einigen von ihren Rezepten an, und notierte wie sie bestimmte Dinge im Haushalt erledigt hat. Meinen Wunsch, das sie ein Tagebuch führt und mit ihren Erinnerungen füllt, hat sie mir nicht erfüllt. Es liegt nicht daran, das sie es nicht versucht hat. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, das es schief ging, worüber ich heute sehr traurig bin. Es ist sehr schade, das sie nicht mit mir darüber geredet hat. Vielleicht wollte sie einfach nicht. Der Zwang hat mit den Monaten, und der „Gewöhnung“ an die neue Lebenssituation mehr und mehr abgenommen, und flammte nur bei besonders einschneidenden Ereignissen wieder auf. Die Routine hat uns leider allzu schnell wieder eingeholt. Vielleicht war es auch gut so, weil uns das ein „normales“ Leben ermöglichte, und das war alles was wir wollten. Ein normales Leben führen wie vor der Diagnose. Claudia wollte nie einen Sonderstatus als „Kranke“ in ihrem Umfeld haben. Die Familie hat oftmals mit Unverständnis reagiert, und dieses Unverständnis traf immer mich.
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