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Flammen

Trauer sollte so unvergänglich sein wie Liebe. Das bewusste Gefühl lässt mit den Jahren nach. Aber im Kern, im innersten der Seele, brennt das Feuer weiter. Es ist halt nur nicht immer nach außen sichtbar. In mir brennen jetzt zwei Flammen. Die der Liebe und die der Trauer. Ich will nicht, das Trauer, Wut und Enttäuschung über mein Leben bestimmen, mein Leben dominieren. Mir ist das Wertvollste auf der Welt genommen worden, und nichts auf der Welt bringt mir das zurück. Die einzigen Gefühle die mich durch mein Leben tragen sollen, sind Liebe und Dankbarkeit, das sie bei mir war. Und schöne Erinnerungen an die vergangene gemeinsame Lebenszeit.

Sie stirbt nicht, solange ich diese Erinnerungen an sie in mir trage. Und ich bin sogar noch weiter gegangen und habe viel über sie aufgeschrieben, das jeder es nachlesen kann. Für mich ist das Leben ein langer ruhiger Fluss. Ich lass mich einfach treiben. Es gibt noch soviel zu entdecken. Ich weiß, das meine Maus mich immer begleitet.

Natürlich hat Claudia mir gesagt „gestalte Dein Leben neu, werde mit einer neuen Partnerin glücklich“. Aber ob sie es auch so gemeint hat? Wer weiß das schon. Wenn ich mich in ihre Situation versetzte, dann glaube ich das ich zu meiner Partnerin genau das gleiche gesagt hätte. Aber mir hätte bei den Worten das Herz geblutet. Denn immerhin will man doch die Zukunft gemeinsam gestalten. Ich hätte es auch gesagt, aber alles in mir drin hätte sich dagegen gewehrt. Ich denke meine Claudia war innerlich auch zerrissen bei dem Gedanken mich freizugeben und los zulassen. Meiner Meinung nach ist solch eine Geste des Partners ein sehr, sehr großer Liebesbeweis.

Wenn man selber schon tot ist, dann möchte man doch, das man durch sein Liebstes weiterlebt. Bei allen schönen Dingen die ich in meinem Leben tue, wird sie bei mir sein, und durch meine Augen sehen. Das ist doch ein schönen Gefühl.

Wir Menschen verfügen über eine große Macht. Was wir glauben und denken wird wahr. Wir können unser Leben zu einer Hölle machen oder in einen Himmel verwandeln.

Ich habe im Gedicht Sehnsucht geschrieben, das die Welt hinter Claudia zusammengebrochen, implodiert ist als sie ging. Ich kann in der Ödnis die mein Schatz zurückgelassen hat verharren, oder ich mache mich auf den Weg.

Warum sollte ich in einer leeren Ödnis leben wollen? Also packe ich ein paar Sachen, und ziehe los. Ich schaue nach vorne, weil hinter mir nichts mehr ist. Anfangs drehe mich aber noch sehr oft um. Ich hoffe das ich, je weiter ich weg bin, mich nicht mehr so oft umdrehe, denn alles was ich brauche trage ich bei mir. Und: In mir drin ist noch viel Platz für andere Flammen.

(Aus Darmkrebs Tagebuch)

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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