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Nachlese…

Die Ein­sam­keit ist schreck­lich. Wenn die gan­ze Hek­tik der Beer­di­gung und der Vor­be­rei­tung dar­auf vor­bei ist.

Für mich war die Trau­er­fei­er wun­der­schön, und total rüh­rend — und ich war im Gegen­satz zum Rest der Trau­er­ge­mein­de ziem­lich gut gelaunt, was mich etwas ver­le­gen gemacht hat. Nur auf dem Fried­hof sel­ber war es dann ziem­lich trau­rig. Und danach war es nur noch merk­wür­dig. Mir war gar nicht mehr nach „fei­ern“, oder reden, oder Kaf­fee trin­ken.

Dann wird es auf ein­mal wie­der ganz still, alle „Gäs­te“ sind gegan­gen. Jetzt schlägt der neue All­tag über einem zusam­men.

Ich habe mich in der ers­ten Woche nach der Beer­di­gung in die Arbeit gestürzt. Genau eine Woche lang, und am Ende stand bei mir der Absturz. Danach wur­de es eigent­lich nur noch schlim­mer, in Wel­len zwar, aber den­noch. Ich habe einen unbe­schreib­li­chen Schmerz gefühlt, einen unglaub­lich star­ken Sog in die Erde. Ich woll­te nur noch bei ihr sein und schla­fen. Neben ihr. Ich woll­te ein­fach ster­ben, und habe es auch ver­sucht. War nicht mehr arbeits­fä­hig, hab mich ein­fach trei­ben las­sen. Für län­ger als eine Stun­de am Tag hat mei­ne Kon­zen­tra­ti­on nicht gereicht.

Ich habe alle Gefüh­le zuge­las­sen, und auf mein Bauch­ge­fühl gehört, und so ver­sucht „unbe­scha­det“ durch die­se Tage zu kom­men. Das war und ist für mei­ne Umwelt nicht immer leicht. Vor allem zu akzep­tie­ren das ich mich ver­än­dert habe, und das ich eben nicht mehr der Alte wer­de fiel, und fällt vie­len schwer.

Ich habe dann für eine Kur gekämpft (das war neben dem schrei­ben das Ein­zi­ge wozu ich fähig war), und sie auch bekom­men — über die Weih­nachts­zeit. Das hat mir das Leben geret­tet — und das Schrei­ben.

In der Kur habe ich Gott sei Dank ein paar wirk­lich tol­le Frau­en und deren Kin­der ken­nen ler­nen dür­fen — jede mit ihrem eige­nen Schick­sal. Moni­ka, Son­ja, Manu, Ruth, Mari­on… ich habe euch in mein Herz geschlos­sen. Ich hof­fe wir sehen uns mal wie­der.

Das, und die räum­li­che Distanz, hat mir gehol­fen Abstand zu bekom­men. Natür­lich hat mich alles wie­der ein­ge­holt als ich wie­der zu Hau­se war. Aber ich kom­me jetzt etwas bes­ser klar. Es sind heu­te bereits 164 Tage ohne mei­ne Maus ver­gan­gen. Ich ver­mis­se sie jeden ein­zel­nen Tag, aber es tut nicht mehr so unbe­schreib­lich weh. Jetzt wo ich sie ver­lo­ren habe weiß ich erst wie ein­ma­lig und beson­ders unse­re Bezie­hung zuein­an­der war.

Auf Regen, folgt Son­nen­schein. Klingt platt, aber ich weiß das es so ist. Die „schwar­zen Gedan­ken“ kom­men immer wie­der. Ich freun­de mich mit ihnen an. Manch­mal tei­len sie mir etwas wich­ti­ges mit. Dann gehen sie auch wie­der. Also ver­lie­re ich nicht den Mut, bli­cke nach vor­ne, und neh­me die Zeit wie sie ist: Sie ist ein Aus­druck mei­ner gro­ßen Lie­be zu mei­ner Maus.

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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