Immer wieder flammt auch die Diskussion auf, wie viel Recht auf Diskretion man in Bezug auf das eigene Sterben, den eigenen Tod, und die Zeit danach hat. Ob mein Engel wohl mit der Veröffentlichung einverstanden war? Ist eine Veröffentlichung, egal welcher Art, ohne Einverständnis der verstorbenen Person unfair?
Ich weiß nicht, ob sie damit einverstanden gewesen wäre. Wir haben nie darüber geredet. Aber das ist auch gar nicht der Punkt. Es ging damals, nach ihrem Tod, im wesentlichen um mein Überleben, und das kannst du wörtlich nehmen. Es hat mir geholfen loszulassen, und meinen Weg zurück ins Leben zu finden. Deswegen habe ich geschrieben und veröffentlicht. Das Dokument gibt es in einer wesentlich umfangreicheren privaten Version, und es ist natürlich auch für meine Kinder. Sie haben es gelesen, aber sie werden es in ein paar Jahren sicherlich noch einmal mit anderen Augen lesen.
Ich habe mir auch schon oft darüber Gedanken gemacht, ob ich es jetzt nicht vom Netz nehmen sollte. Das Feedback ist nach wie vor vorwiegend positiv, und so lange es einem Menschen hilft bleibt es. Da halte ich die Kritik gerne aus.… und ich respektiere auch, das jeder Mensch eine eigene Meinung dazu hat…
Ich denke, man kann darüber reden, kann sich etwas wünschen für den Partner (und für sich selbst…)… Aber kann ich auch erwarten das sich der Partner Zeit seines Lebens daran hält? Was ist ein solches Versprechen Wert? Menschen ändern sich, und die Welt auch. Ich glaube, es ist viel schöner nichts zu verlangen, und doch alles zu bekommen, oder? Versprechen einzufordern hat auch immer etwas mit Unsicherheit und auch Egoismus zu tun, aber das ist ein anderes Thema.
Unfair finde ich zum Beispiel jemandem Versprechen abzunehmen. Der Partner kann doch gar nicht wissen wie sein leben hinterher sein wird, was seine Bedürfnisse sein werden, wie er mit allem umgeht. Er wird seinen eigenen Weg finden müssen… Wenn man ihm heute ein Versprechen abnimmt, kann ihn das „danach“ in unglaublich Gewissenskonflikte stürzen und Schuldgefühle auslösen, die er vielleicht nie wieder los wird, die ihn sein Leben lang quälen, und daran hindern seinen Weg zu finden.
Ich würde so etwas aus meiner eigenen Erfahrung nie von einem Menschen verlangen. Meine Frau wusste das (vielleicht auch eher intuitiv), und ich hatte die Freiheit das zu tun, was für mich am besten ist. Ich bin nur meinem Bauchgefühl gefolgt, hab keine Medikamente benutzt, und keinen Psychologen benötigt, mich nicht äußeren Zwängen gebeugt. Das hat mich unendlich viel Kraft gekostet, und ich habe dabei meine Seele bis in die tiefsten Tiefen ausgelotet. Ich hatte eine unglaublich harte Zeit. Das alles hat ein halbes Jahr gedauert, danach ging es kontinuierlich aufwärts. Ich habe nie wirklich meinen Lebensmut verloren…
Ich weiß, das sie begeistert wäre von dem was ich in den letzten Jahren geleistet habe, und ich verdanke ihr so viel. Ich fühle mich heute frei, glücklich und offen für das Leben. Ich glaube mehr kann man vom leben nicht erwarten.