Am vierten Tag erstellen wir mit Gips eine Form von dem Tonkopf. Dabei wird die mühsam und in liebevoller Klein– und Detailarbeit erstellte Tonplastik zerstört — was sehr weh tut, denn schließlich hat man in den vergangenen Tagen eine Beziehung zu diesem Gegenstand aufgebaut. Der Ton wandert in den großen Vorratsbehälter wo er darauf wartet wieder verwendet zu werden.
Drei Wege führen zu einer Form. Mit einem Zwirnsfaden, mit kleinen Blechen, oder mit Tonstreifen. Bei allen drei Möglichkeiten geht es um die Trennstelle zwischen den beiden Formteilen. Jede der Techniken hat ihre vor und Nachteile. Außerdem muss entschieden werden, wo die Trennlinie entlang läuft. Auch der Umgang mit dem verwendeten Gips will geübt sein. Gips hat ein sehr eigenwilliges Verhalten, und er muss sorgsam angesetzt und mit viel Gespür verarbeitet werden. Mit einer geschickten Wurftechnik wird der Gips auf dem Tonkopf platziert. Die Skulptur sollte sich in den Umrissen der Form wieder finden.
Am fünften Tag haben wir die Form mit Gips ausgegossen, und so einen Gipskopf erhalten.
Damit sich die Form keine Feuchtigkeit aus dem gegossenen Gips zieht — was zu Rissen führt, legen wir die Formhälften so lange in Wasser ein, bis sie kein Geräusch mehr von ich geben. Dann werden die Formhälften mit Trennmittel ausgekleidet, und letztlich werden ihr Schellen angelegt, damit die Formteile während des Gießvorganges auch zusammen halten. Dazu dienen Fahrradschläuche, Eisenklammern, oder in Gips getränkte Bandagen. Dann wird ausreichend Gips angesetzt, mit dem die Form zunächst im unteren drittel gefüllt, und herumgeschwenkt wird, damit der Gips in Mund, Ohren und Augen fließt. Schließlich wird die Form bis oben hin gefüllt. Nach einer angemessenen Zeit der Trocknung wird die Plastik aus den Formhälften gelöst — wobei die Form in der Regel zerstört wird.
Letztlich wird die Portraitplastik mit Feilen und anderem Kratzwerkzeug weiter bearbeitet, Gußfehler beseitigt, oder einfach weiter modelliert. Das ist spannend, weil man auf einmal ein anderes Material unter den Händen hat. Damit ist die Arbeit aber noch nicht beendet. Wie es weiter geht ließt du im nächsten Teil.
Bis hierher war es wirklich eine tolle und bereichernde Erfahrung, die viel Spaß gemacht hat. Wer auch mal mitmachen möchte, der wendet sich an Tanja Lehmann:
