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4. Jahrestag – surfing the wafe

Der 4. Jahrestag. Ich habe jetzt eine Phase in meinem Leben erreicht wo ich echt glücklich bin, ein recht turbulent, chaotisch, ausgefülltes Leben habe das ich genieße, auch wenn ich im Augenblick nicht alle Aspekte der „Einladung“ so leben darf wie ich mir das wünsche.

Ich suche immer noch meinen Fokus, lebe am Limit, ohne Halt und Anker. Mache zu viel, bis an die Grenzen der Überforderung, die manchmal in ganz banalen Dingen liegt. Aber vielleicht muss das so sein. Viele Menschen glauben, das ich damit etwas verdränge… aber sie irren sich… Der unbeschreibliche Schmerz, die Einsamkeit und die Stille – all die Dinge für die es keine Worte gibt sind durch mich hindurch gegangen, und ich war still, und habe gelauscht, und gelernt… Was mich jetzt bewegt, ist wohl meine Sehnsucht nach Intensität, Leben und Begegnungen.

Seit dem du gegangen bist, bin ich auf einer Reise. Ich habe seit dem einige Menschen auf meinem Weg zurückgelassen, aber noch viel mehr neue Menschen sind in mein Leben getreten, und haben es ungemein bereichert. Jeder dieser Wegbegleiter war, und ist wichtig in meinem Leben, und ich bin dankbar dafür das wir uns begegnet sind. Alle Begegnungen, auch die schmerzhaften, waren wertvolle Erfahrungen. Es ist, als ob ich damals aus einem Schlaf aufgewacht bin, und endlich bei BewusstSEIN. Ich fühle mich noch nicht wieder angekommen in dieser Gesellschaft. Aber das ist nicht wichtig… vielleicht ist es auch nicht erstrebenswert.

Es ist mir wichtig immer in Bewegung zu sein, aber auch mal zu verharren, allen Gefühlen einen Raum zu geben… auch den Mut zu haben Stille und Einsamkeit zu mir zu lassen, und zu leben…. um mich selbst zu finden. Für mich ist es das worum es geht… ich hatte mich “danach” verloren. Mittlerweile bin ich wieder da, irgendwie, aber die Welt ist eine andere, denn ich hab mich verändert. Ich sehe all die Dinge die mir und uns widerfahren sind als große Chance, und auch ein wenig als Verantwortung – weil Du gehen musstest – aus meinem Leben etwas zu machen, es zu genießen, Menschen zu begegnen neue Orte zu finden. Das ist ein unglaublich großes, aber fragiles Geschenk. All das, was passiert ist, war kein böser Traum, auch wenn mir das Anfangs so vorkam. Für mich war es wichtig, wenn auch so unglaublich schmerzhaft das es mich um haaresbreite das Leben gekostet hat, wahrzunehmen und zu akzeptieren „was ist“, und wo ich stehe… dann loszulassen, was nicht mehr sein kann, und mich auf den Weg zu machen.

Das Leben ist im Grunde eine tolle Sache, ein Abenteuer, und wir haben alle genau eine Chance es mit all unseren Sinnen zu (er)leben, und alle unsere Erfahrung machen uns zu dem was wir sind – Menschen werden immer kommen und gehen – Der Tod gehört zum Leben, und macht unser Leben im Grunde erst lebenswert. Das ich jetzt, in diesem Augeblick, und in dieser Zeit leben darf, weiterleben darf, ist ein großes Geschenk, und eine Chance mich positiv zu wandeln, immer wieder… Du bist ja eh immer bei mir, ganz tief in meinem Herzen, und ab und an auch in den Gedanken…

„Normal“ wird mein Leben wohl nie mehr werden, aber das will ich auch nicht mehr, denn es gefällt mir mit all seinen Farben und Facetten so sehr. Ich suche auch nicht mehr, denn suchen bedeutet „finden wollen“ von Bekanntem, Abgelegtem, Vergangenem. Ich suche auch keinen Halt, denn ich stehe selber. Ich bin das Wagnis eingegangen das Neue zu finden – Orte, Begegnungen, Gefühle, denn die Wege vor mir sind offen und weit. Und weist du was? Es ist anders, nicht vergleichbar, und es ist toll.

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Bewertung 5 Sterne aus 2 Meinungen

Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

3 Kommentare

  1. Ich weiß nicht wie es ist, einen Partner zu verlieren, der einen über so viele Jahre begleitet hat, mit dem man gewachsen ist, mit dem man alles geteilt hat. Ich weiß aber, wie es sich anfühlt, einen Menschen zu verlieren und nie wiedersehen zu können, der einen mit Liebe großgezogen hat, einen aufgefangen hat, in den Arm genommen hat, zugehört hat…und bis zum Schluss für seine Lieben und auch für sich um sein Leben gekämpft hat. Dieser Mensch fehlt und man hat das Gefühl, die Welt müsste stehen bleiben, aber das tut sie nicht. Man soll dennoch funktionieren, für andere da sein, seinen Pflichten nachkommen und präsent sein. Nach außen hin war ich wohl auch in der Lage diesen Schein zu wahren, aber innerlich hat es mich zerrissen und ich habe mich nach Ruhe gesehnt. So sehr, dass ich mich von allen zurückgezogen habe, weil ich das Gefühl hatte, dass keiner verstehen kann, wie es mir geht.

    Ich habe meinem Papa einen Ort an meinem Zuhause geschenkt, damit ich jederzeit die Möglichkeit habe, eine Kerze für ihn anzuzünden, wenn ich ihn ganz besonders stark vermisse und ihm nah sein möchte. Es wird so oft gesagt, dass es wichtig ist, abzuschließen und das Geschehene zu akzeptieren; einen Schlussstrich zu ziehen, aber ich denke, dass nur die Menschen so etwas verlangen können, die selbst noch nie einen geliebten Menschen verloren haben. Ich verdränge nicht, sondern ich erinnere mich und ich erinnere mich gern, denn mein Papa war, ist und bleibt ein Teil von mir und genau so wird auch meine Liebe für immer bleiben.

    Das Leben verändert sich und man selbst verändert sich auch und es gehört vermutlich dazu, dass Menschen, die einen schon länger kennen, dieser Veränderung nicht verstehen können. Ich stimme dir zu, dass das Leben ein Geschenk ist und auch ich habe das Gefühl, dass ich dieses Geschenk in seinem Auftrag nutzen soll. Jeder nutzt dieses Geschenk anders und es gibt kein richtig und kein falsch dabei, wichtig ist nur, dass man zuhört, was das Leben einem geben möchte.

    Ich wünsche dir und deinen Kindern alles Gute!

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  2. Es ist ja tatsächlich so, das es niemand „wirklich“ verstehen kann der nicht ähnliches erlebt hat. Das ist aber kein Vorwurf, sondern einfach und schlicht ganz normal. Da ich schon auf beiden Seiten stand kann ich die Gefühle, die Hilflosigkeit und die Unsicherheit beider Seiten sehr gut nachvollziehen. Selbst emphatische Menschen stoßen da an ihre Grenzen.

    Ich finde auch, das es kein richtig oder falsch gibt welchen Weg ein Mensch in seiner Trauer einschlägt. Es gibt kein richtig oder falsch, aber es gibt diese Gesellschaft mit ihren Normen, die einfach verlangt das man funktioniert… oder in der wir glauben funktionieren zu müssen. In der Schwäche zeigen negativ ausgelegt wird. In der Sterben, Tod, Trauer einfach keinen Platz haben. In der Trauernde nach einer Zeit mehr oder weniger subtil unter Druck gesetzt werden es doch jetzt gefälligst „mal sein zu lassen“. Ich habe viele Menschen kennen gelernt, die versucht haben sich dem zu beugen. Man will doch schließlich nicht auffallen und als funktionierender Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden. Also versucht man die Stille zu übertönen, versucht sich mit Aktionen abzulenken, und einfach zu funktionieren, und seine Pflicht zu erfüllen… ich kenne niemanden bei dem das langfristig gut gegangen ist, auch wenn das Leben irgendwie weiter geht… Trauer braucht Raum und Zeit… und die Seele holt sich was sie braucht, wenn wir es ihr nicht geben… so war es ja auch letztlich bei dir, und bei mir. Es ist zwar egal welchen Weg man wählt, aber es sollte sich jederzeit sehr stimmig anfühlen, und am Ende sollte man glücklich und zufrieden sein. :) Deshalb finde ich es so wichtig in dieser Zeit sehr achtsam mich sich zu sein und in sich hinein zu lauschen, anstatt „dem Außen“ nachzugeben. Manchmal ist es auch eine ziemliche Gratwanderung, und auch „Irrwege“ (oder besser Umwege) dürfen ein Teil davon sein, klar. :)

    Dieses „funktionieren wollen“ hat bei mir allerdings nicht funktioniert… ich hab es ein paar Tage probiert, aber mich hatte es regelrecht und nachhaltig aus der Gesellschaft und der „einen Welt“ in eine andere katapultiert. Ich habe diesen Druck der Gesellschaft immer wieder gespürt, aber er war mir egal, weil ich einfach keine Kraft hatte diesen Weg zu gehen und weil ich gefühlt habe, das es mich zerstören würde, wenn ich dem nachgebe.

    Natürlich verändert man sich im Laufe seines Lebens, das gehört zur Entwicklung. Manchmal entwickeln sich zwei Menschen die einen gemeinsamen Weg gehen auch so auseinander, das sich die Wege schließlich trennen. Manch ein Mensch entwickelt sich auch langsamer als ein anderer, oder er bleibt sogar stehen… alles ist möglich, und okay. Diese Prozesse sind aber eher langsamer Natur. Traumatische Ereignisse geschehen erdrutschartig, und hinterlassen in kürzester Zeit Verwerfungen, mit denen das Umfeld und man selber auch überfordert ist. Das hat eine ganz andere Dynamik, und hinterlässt ganz andere Spuren in der Seele.

    Ich danke dir für deine Worte – Carsten

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  3. Eigentlich hätte ich heute Büroarbeiten machen müssen, aber das Tagebuch hat mich gefesselt.

    Habe es nicht intensiv gelesen, werde dies aber noch machen.
    Ich weiss nur, dass ich gerade geheult habe, wie ich es schon lange nicht mehr getan habe. Und es hat gut getan.

    Dir und Deinen Kindern wünsche ich an dieser Stelle, viel Kraft für’s neue Jahr.

    Ich bin mir sicher, Claudia wird immer bei Euch sein und auf Euch achten. Sie ist nicht mehr da, aber die Erinnerungen in Eurem Herzen sind immer da und werden immer da sein.

    Madeleine (Schweiz)

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