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Carsten fotografiert, Teil 1: Warum?

Ein Freund sagt immer: „Wozu über­haupt foto­gra­fie­ren? Es ist doch bereits alles foto­gra­fiert“. Frei nach Karl Valen­tin könn­te der Satz auch lau­ten „Es ist zwar schon alles foto­gra­fiert, aber nicht von jedem“. Mein Freund ver­weist nicht ganz zu unrecht auf die vie­len Foto­por­ta­le, auf denen unglaub­lich tol­le und beein­dru­cken­de Foto­gra­fi­en gezeigt wer­den. Davor erscheint das eige­ne Kön­nen ganz klein, und irgend­wie kann ich nach­voll­zie­hen das es ent­mu­ti­gend ist. Als ich vor gut einem Jahr begann „ernst­haft“ zu foto­gra­fie­ren, brach­te mich die­se Fra­ge ganz schön zum Grü­beln, und ich bekam Zwei­fel ob es über­haupt Sinn macht sei­ne Zeit der Foto­gra­fie zu wid­men. Aber:

Jeder Weg beginnt mit dem ers­ten Schritt.

Ich ent­geg­ne immer das ich doch mei­nen ganz eige­nen Weg gehe, mei­ne eige­ne Ent­wick­lung durch­lau­fe, mit mei­nen ganz eige­nen, indi­vi­du­el­len Eigen­schaf­ten, und mei­nem Blick auf die Welt… Ich foto­gra­fie­re außer­dem ande­re Men­schen und Din­ge, wie all die ande­ren Foto­gra­fen… und des­halb ist es in die­sem Sin­ne unwich­tig, das es die­se gan­zen ande­ren fan­tas­ti­schen Foto­gra­fi­en gibt. Es ist jeden­falls kein Grund mich davon abzu­hal­ten sel­ber Fotos zu machen.

Eine Foto­gra­fie ist immer eine ganz indi­vi­du­el­le Sache wie ich fin­de, und es ist fast zwangs­läu­fig (und wich­tig), das man die eige­ne Sicht der Din­ge zum bes­ten gibt. Allein durch ver­schie­de­nen Beschnitt ent­ste­hen zum Bei­spiel ganz unter­schied­li­che Bild­aus­sa­gen, die alle ihren Reiz haben kön­nen… (und die auch auf jeden Betrach­ter anders wir­ken) Da hilft nur expe­ri­men­tie­ren, und her­aus­fin­den was mir gefällt und war­um… zuerst nach­träg­lich im Labor, dann mit stei­gen­der Erfah­rung immer öfter auch direkt im Sucher. Ich fin­de es okay und wich­tig mich von ande­ren inspi­rie­ren zu las­sen (beson­ders am Anfang)… aber mei­ne Fotos wer­den auto­ma­tisch ganz „eigen“ wer­den, denn in dem Moment, wo ich durch den Sucher schaue, bin ich ganz bei mir.

Ich fin­de es übri­gens span­nend die eige­nen Seh­ge­wohn­hei­ten zu durch­bre­chen, und immer wie­der her­aus zu for­dern. Das macht für mich einen gro­ßen Reiz an der Foto­gra­fie aus. Din­ge bewusst wahr­zu­neh­men, und ein­fach acht­sa­mer durch die Welt zu lau­fen. Dann ist es mir auch egal, wenn jemand sagt „Das hät­test du aber jetzt bes­ser nicht foto­gra­fiert“.

Ich lie­be in der Foto­gra­fie die­se total unge­plan­ten Momen­te, in denen ich den einen unbe­wuss­ten Augen­blick erwi­sche. Das gelingt nicht immer, aber das macht für mich den Reiz. Und ich lie­be „Out of Cam“. Auch das gelingt nicht immer… aber wenn, dann ist mir das ein Fest.

Und alles dazwi­schen lie­be ich sowie­so.

Manch­mal lie­be ich auch die­se abschät­zig ver­wun­der­ten „Aha.… Olym­pus…?!“ Momen­te, denen ein aus­ge­dehn­tes Schwei­gen folgt, in dem der Urhe­ber des State­ments eine Begrün­dung, Ent­schul­di­gung oder Recht­fer­ti­gung erwar­tet :-)

Edit 2011-12-05

Heu­te bin ich auf einen inter­es­san­ten Arti­kel gesto­ßen, der genau das the­ma­ti­siert: Gut ist das neue Gewöhn­lich.

Edit 2012-08-02

Über die­se Arti­kel bin ich heu­te gestol­pert, und ich kann mich sehr schön damit iden­ti­fi­zie­ren, weil sie mei­ne Her­an­ge­hens­wei­se an das The­ma Foto­gra­fie spie­geln: War­um ich ein guter Foto­graf bin, und 5 Grün­de war­um ich kein guter Por­traitfo­to­graf bin.

Edit 2013-06-05

Und dann gibt es noch den Aspekt das mich ja 2007 das Leben so voll­stän­dig aus der Bahn gewor­fen hat. Gut drei Jah­re danach habe ich mit der Foto­gra­fie ange­fan­gen. Ich den­ke ich ver­su­che über die Foto­gra­fie wie­der in Kon­takt zu kom­men mit der mir fremd gewor­de­nen Welt und den Men­schen dar­in. Gleich­zei­tig kann ich mich hin­ter mei­ner Kame­ra pri­ma ver­ste­cken und Distanz auf­bau­en. Ich den­ke sogar das dies — wenn auch unbe­wusst — mei­ne wich­tigs­te Inten­ti­on war: Wie­der behut­sam Kon­takt mit dem Leben, und den Men­schen auf­zu­neh­men. Aus dem glei­chen Grund exis­tiert ja auch die­ser Blog.

In Teil zwei die­ser Rei­he berich­te ich dar­über wie ich foto­gra­fie­re, und in Teil drei mit was ich foto­gra­fie­re.

Weitere Artikel der Serie

  1. Cars­ten foto­gra­fiert, Teil 1: War­um?
  2. Cars­ten foto­gra­fiert, Teil 2: Wie?
  3. Cars­ten foto­gra­fiert, Teil 3: Mit was?

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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