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Karneval in der Schweiz

Ich war über das Wochen­en­de mehr zufäl­lig Gast beim Schwei­zer Kar­ne­val, der dort Fas­nacht genannt wird. Eigent­lich woll­te ich ja dem Köl­ner Kar­ne­val ent­flie­hen und bin — nicht nur des­halb, denn es war viel­mehr ein ange­neh­mer Neben­as­pekt — nach Ein­sie­deln gereist. Bei dem Namen denkt man sofort an hohe Ber­ge , ver­schnei­te Wäl­der, Abge­schie­den­heit und Ein­sam­keit. Ein­sie­deln liegt im schö­nen Schwei­zer Kan­ton Schwyz, ein paar Kilo­me­ter ober­halb von Zürich. Aber die­se paar Kilo­me­ter haben es in sich, denn die Schnee­men­gen addie­ren sich mit jedem Kilo­me­ter, und errei­chen ger­ne unglaub­lich statt­li­che Höhen, was natür­lich für Beweis­zwe­cke sofort abge­lich­tet wer­den muss­te, denn sol­che Schnee­men­gen gibt es bei uns nicht.

Das Sah­ne­häub­chen oben links ist ein grin­sen­der Schnee­mann. Echt!

Wie man auf dem Foto unten links sieht, wird der Ort Ein­sie­deln von einem sehens­wer­ten Klos­ter domi­niert. Der Name des fröh­lich grin­sen­den Schnee­manns den wir in stun­den­lan­ger Arbeit mit eige­nen Hän­den erschaf­fen haben lau­tet übri­gens „Fern­se­her“ :-)

Natür­lich wird auch in Ein­sie­deln Kar­ne­val gefei­ert. Tra­di­ti­on ist halt auch hier Tra­di­ti­on. Aller­dings läuft das etwas anders ab als in Köln und Umge­bung. Auf­fäl­lig ist erst­mal die ande­re Musik, auch Gug­gen­mu­sik genannt die sich wohl­tu­end von der gän­gi­gen rhei­ni­schen Kar­ne­vals­mu­sik unter­schei­det. Ergänzt wird der Klang­tep­pich durch Rock und Pop­mu­sik. Auf dem Zug wer­den kei­ne Kamel­le geschmis­sen, son­dern ledig­lich ein paar weni­ge Süßig­kei­ten an Kin­der ver­teilt. Es wird nichts gewor­fen außer in Maßen Kon­fet­ti, das sogar mit Kano­nen ver­schos­sen wird. Den­noch hält sich der Müll sehr in Gren­zen, und es besteht — anders als beim rhei­ni­schen Kar­ne­val — kei­ne Gefahr von Wurf­ge­schos­sen aller Art bis zur Pra­li­nen­schach­tel­grö­ße K.o. gehau­en zu wer­den. Über­haupt fällt die Abwe­sen­heit von Prinz, Bau­er, Jung­frau samt mili­tä­ri­schem Anhang sehr ange­nehm auf.

Das ein­zi­ge klas­si­sche Stre­et­fo­to der Rei­se.

Beson­ders augen­fäl­lig sind die tra­di­tio­nel­len Mas­ken, die hier wohl die Kin­der in Angst und Schre­cken ver­set­zen wür­den, und der Scha­ber­nack den die Mas­kier­ten mit arg­los daher lau­fen­den Pas­san­ten trei­ben. Das fand ich ziem­lich geni­al. Auf obi­gem Foto ver­sucht gera­de ein nach­zü­geln­der Mas­kier­ter des­sen Grup­pe schon ein wenig vor­ge­lau­fen war, ele­gant sei­nen Spa­zier­stock zwi­schen die Spei­chen eines ver­schreck­ten Rad­lers zu ram­men, wäh­ren die Frau rechts schnell die Kur­ve kratzt :-D

Mei­ne beson­de­ren Freun­de waren die „Arsch­glo­cken“. Die­se mas­kier­ten Her­ren — Trych­ler genannt — lie­fen seit Don­ners­tag all­nächt­lich meh­re­re male durch die Stra­ßen, um das dahin­däm­mern­de Volk mit ihrem Wohl­klang zu erfreu­en. Ihre ein­deu­ti­ge Bot­schaft läu­te­te — oder bes­ser lau­te­te: Schla­fen ist nicht!

Hier mal ein kur­zes Video, das einen Ein­druck der Geräusch­ku­lis­se unter­halb mei­ner Schlaf­stät­te ver­mit­telt:

Also, ich fand´s ziem­lich gran­di­os. Und wer jetzt auch mal Lust hat Kar­ne­val anders zu erle­ben, der schaut hier une. Dazu gibt es alter­na­tiv auch ein ent­spre­chen­des Kon­trast­pro­gramm im Klos­ter ;-)

Epi­log: Manch­mal ver­schwim­men die Gen­res inein­an­der: Doku­men­ta­ti­on, Repor­ta­ge, Rei­se, Por­trait, Street, von allem ist etwas dabei…  Okay, das war also nicht nur ein Rei­se­be­richt son­dern gleich­zei­tig mein Bei­trag zum monat­li­chen Stre­et­day.  Inter­es­sant war in die­sem Zusam­men­hang die Beob­ach­tung, das mir mit der gro­ßen Spie­gel­re­flex­ka­me­ra nebst beein­dru­ckend mäch­ti­ger Optik eini­ges an posi­ti­ver Auf­merk­sam­keit und Wohl­wol­len in Form von Süßig­kei­ten und Gut­schei­nen ent­ge­gen gebracht wur­de, und die Teil­neh­mer des Umzugs bereit­wil­lig war­te­ten bis ich mein Föte­li gemacht hat­te, wäh­rend ich mit mei­ner klei­nen Knip­se kei­nes Bli­ckes gewür­digt wur­de. Klas­si­sche Stre­et­fo­tos kön­nen so natür­lich nur bedingt ent­ste­hen. Dafür ist die klei­ne unauf­fäl­li­ge Kame­ra bes­ser geeig­net. Drum gilt der wei­se Spruch: „Es ist immer gut, für den jewei­li­gen Zweck das pas­sen­de Werk­zeug parat zu haben“.

Weitere Artikel der Serie

  1. Ers­ter Stre­et­day 2012 in Köln
  2. Kar­ne­val in der Schweiz
  3. Stre­et­day 03 in Köln
  4. Amphi Fes­ti­val 2012
  5. Pho­to­walk in Düs­sel­dorf

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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