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Portraitskulptur — Sockel, Schmirgel & Patina

In den letz­ten Wochen hat mei­ne Skulp­tur einen Stän­der ver­passt bekom­men. Die Wahl des Stän­ders ist natür­lich auch von gro­ßer Bedeu­tung, denn er muss zur Skulp­tur pas­sen. Die Grö­ße und Form der Boden­plat­te, sowie der Durch­mes­ser des Stif­tes wol­len gewählt wer­den. Ent­schei­dend ist auch der Abstand und der Win­kel in dem die Skulp­tur auf dem Sockel ruht. Am gän­gigs­ten sind Stän­der aus Holz, die aus einer Boden­plat­te bestehen und einem Stift, auf dem der Por­traitkopf sitzt.

Eine Holz­kon­struk­ti­on kam für mein klei­nes Mädel aber nicht in Fra­ge. Es soll­te eine aus Metall sein, wenn mög­lich ver­ros­tet und mit unre­gel­mä­ßi­gen Kan­ten. Die Ent­schei­dung fiel eigent­lich als wir einen gro­ßen Nagel in den Sockel ein­gos­sen, den wir in Tan­jas Kram­kis­te gefun­den hat­ten. Es hat aber eini­ge Mona­te gedau­ert bis mich eine geeig­ne­te Plat­te gefun­den hat­te. Sie muss­te noch ein wenig in Form geschnit­ten wer­den, was wegen der Dicke nur mit einem Schneid­bren­ner mög­lich war. In den letz­ten Tagen wur­de dann der Kopf auf die Plat­te geschweißt.

Schaben, Kratzen, Schmirgeln

Heu­te habe ich nun noch ein­mal 6 Stun­den damit ver­bracht der Skulp­tur den letz­ten Fein­schliff zu ver­pas­sen. Nach­dem ja beim letz­ten mal Mate­ri­al auf­ge­tra­gen wur­de um Stel­len aus­zu­bes­sern geht es jetzt um das Gegen­teil.

Zunächst habe ich den Sockel auf der Unter­sei­te etwas abge­schlif­fen, um die Syme­trie zur Boden­plat­te her­zu­stel­len. Dann bin ich eini­gen unpas­sen­den Stel­len mit gro­bem Schmir­gel­pa­pier zu Lei­be gerückt. Ich woll­te kei­ne glatt­po­lier­te Skulp­tur. Die Bear­bei­tungs­spu­ren, Feh­ler und Beschä­di­gun­gen soll­ten sicht­bar blei­ben. Aller­dings soll­te sich irgend­wie ein har­mo­ni­sches Gesamt­bild ein­stel­len. Also habe ich die Stel­len die ich zuletzt mit Gips aus­ge­bes­sert hat­te etwas glatt­ge­schlif­fen, bzw. dafür gesorgt das die Über­gän­ge nicht mehr all­zu­sehr sicht­bar waren. Lei­der hat­te ich an eini­gen Stel­len zum Aus­bes­sern zu alten Gips ver­wen­det, der nun eine ande­re Far­be und Struk­tur auf­weist, die sich nur schwer mit den angren­zen­den Stel­len ver­bin­den will. Danach habe ich eini­ge Uneben­hei­ten aus­ge­gli­chen die „da nicht hin­ge­hör­ten“, in dem ich eini­ge Stel­len an Nase, Wan­ge, Augen und Hals mit dem Schmir­gel bear­bei­tet habe.

Letzt­lich habe ich den Haar­an­satz über­ar­bei­tet, weil er wie ange­klebt aus­sah und den Blick zu sehr auf sich zog. Er spie­gelt jetzt den Win­kel der Augen­brau­en, und wirft einen weni­ger har­ten Schat­ten. Um eine sau­be­re Kan­te hin zu bekom­men habe ich fei­nes Schmir­gel­pa­pier und einen klei­nen Holz­klotz ver­wen­det. Spä­ter dann noch einen Krat­zer mit Zäh­nen zum auf­rau­hen, und einen glat­ten Spach­tel zum abtra­gen. Den lin­ken Bogen am Haar­an­satz hab ich etwas begra­digt, und die Haar­an­satz auf der rech­ten Sei­te ver­brei­tert sich jetzt Rich­tung rech­tes Ohr.

Das rech­te Ohr hat auch noch eine klei­ne Über­ar­bei­tung erfah­ren, und ver­bin­det jetzt bes­ser mit dem Kopf. Es ist wich­tig sich für die Arbeit Zeit zu neh­men, und die Skulp­tur immer wie­der im Licht zu dre­hen, auch mal zurück zu tre­ten, oder ne Pau­se zu machen. Außer­dem ist es von Vor­teil sehr acht­sam vor­zu­ge­hen und nicht zu viel Mate­ri­al weg zu neh­men.

Patinieren

Zum Abschluss habe ich mei­ne Skul­pur mit einer Pati­na ver­se­hen. Am liebs­ten hät­te ich sie so gelas­sen wie sie ist, aber dann habe ich mich doch nach meh­re­ren Tests für eine rot­brau­ne Pati­na ent­schie­den, da sie zum ros­ti­gen Stahl-Sockel passt.

Pati­nie­ren ist eine Kunst für sich, bei der in mei­nem Fall Schel­lack Ver­wen­dung fin­det. Außer­dem war das Auf­tra­gen im mitt­ler­wei­le halb­dunk­len nicht so ein­fach. Der ers­te Ver­such war nicht gelun­gen. Der Auf­trag war sehr unre­gel­mä­ßig, und ich hat­te gan­ze Stel­len ver­ges­sen. Also hab ich behut­sam noch eine Schicht mit kreis­för­mi­gen Pin­sel­stri­chen auf­ge­tra­gen. Das gan­ze muss mit mög­lichst tro­cke­nem Pin­sel erfol­gen, damit es kei­ne unschö­nen Nasen gibt, falls die Pati­na läuft.

Irgend­wie war ich aber wie­der nicht zufrie­den. Das Gan­ze sah mir dies­mal zu ange­malt aus, und ich moch­te auch den Glanz nicht. Also habe ich alles erst­mal mit Ver­dün­ner ver­wischt, und mit nem Lap­pen rum­ge­schmiert und abge­tra­gen. Aber jetzt sah es noch schlim­mer aus… wie ein zufäl­li­ger Fli­cken­tep­pich. Durch mei­ne Unzu­frie­den­heit mit dem Ergeb­nis kam Tan­ja auf die Idee dem Gan­zen eine grün­blaue Struk­tur zu geben. Also hat sie ein geheim­nissvol­les Pul­ver mit Ver­dün­ner ange­rührt, das ich dann kunst­voll mit dem Pin­sel auf­ge­tra­gen und ver­teilt habe. Die Far­be lief in Rit­zen und Ver­tie­fun­gen, und das gefiel mir. Irgend­wie ist pati­nie­ren wie malen auf einer drei­di­men­sio­na­len Lein­wand. Erha­be­ne Stel­len wer­den hel­ler gestal­tet, und tie­fer lie­gen­de Stel­le abge­dun­kelt, um sie zu beto­nen. Mit Hals und Haa­ren war ich nun zufrie­den. Das Gesicht sah aller­dings ziem­lich grün ange­malt aus. Also hab ich die Fär­bung abge­wischt, und dabei in die fei­nen Rit­zen ein­mas­siert. Dann hab ich noch­mal Pati­na auf­ge­tra­gen und vor­sich­tig mit „Nul­ler“, einem klei­nen Pin­sel und einem Lap­pen wie­der gezielt abge­tra­gen und ver­wischt, bis die Über­gän­ge zu Hals und Haa­ren har­mo­nisch aus­sa­hen. Fer­tig :thumb:

Das Finale

Kom­men­des Wochen­en­de, genau­er am Sonn­tag den 11. März ab 14 Uhr beginnt das gro­ße Fina­le in Form der Schü­ler­aus­stel­lung, in der alle Expo­na­te aus den letz­ten Kur­sen prä­sen­tiert wer­den. Gleich­zei­tig eröff­net die­se Retro­spek­ti­ve im Künst­ler­haus Tan­ja Leh­mann die neue Sai­son 2012. Wer mag, kommt vor­bei genießt die Aus­stel­lung, das Ambi­en­te im Künst­ler­haus, die Lecke­rei­en und die Dia­show, und infor­miert sich so neben­bei über das kom­men­de Pro­gramm:

Sonn­tag den 11. März, 14 bis 18 Uhr, im Künst­ler­haus Tan­ja Leh­mann, Vol­bach 21, 51429 Ber­gisch Glad­bach. Info unter 02204–300 73 49 oder 0178–205 93 46.

Hier ist die Ein­la­dung und die aktu­el­len Semi­nar-Ter­mi­ne 2012 als PDF zum her­un­ter­la­den

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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