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Carsten fotografiert, Teil 2: Wie?

Wie foto­gra­fie­re ich? Nun, ich wür­de sagen mit vol­lem Kör­per­ein­satz, und als „ewig ler­nen­der“. Ich ste­he in die­sem Moment gera­de mal am Anfang.

Bei mir läuft das alles sehr intui­tiv, unge­plant und frei von Erwar­tun­gen ab. Mein Tip wäre also: Gib dich ganz dem Augen­blick hin, genie­ße das Cha­os und lass dich trei­ben. Da ist natür­lich noch mehr, aber ich muss schon gut über­le­gen was das ist, und auf was ich ach­te wenn ich Fotos mache. Hier also mal eine lose Samm­lung aller Din­ge die mich bewe­gen wenn ich foto­gra­fie­re:

Vie­les ist ein­fach nur unbe­wusst, und manch­mal wun­de­re ich mich sel­ber was ich nach­träg­lich für span­nen­de Zusam­men­hän­ge und Details auf den Fotos ent­de­cke. Mein Blick ist natür­lich auch geprägt von aktu­el­len Seh­ge­wohn­hei­ten, und das ein oder ande­re Buch über Bild­ge­stal­tung hat mich nicht unbe­ein­flusst gelas­sen, ganz gemäß dem Mot­to von Issaac New­ton

If I have seen fur­ther it is only by stan­ding on the shoul­ders of giants“

Und das sind ein paar die­ser Bücher:

  • Fotos von Men­schen — Micha­el Gna­de
  • Der foto­gra­fi­sche Blick — Micha­el Free­man

Es gibt vie­le Foto­gra­fi­en und Foto­gra­fen die mir eine Quel­le der Inspi­ra­ti­on sind. Hier sind eini­ge davon:

Regeln… mei­ne Regel ist, das ein­fach alles erlaubt ist, wonach mir ist. Intui­ti­ves und spon­ta­nes Tüf­teln, sich mit dem zurecht­fin­den was man Vor Ort vor­fin­det, das ist was mir Spaß macht, und jedes Tref­fen zum Aben­teu­er. Aller­dings ist ein sol­ches unge­plan­tes Vor­ge­hen auch mit viel Risi­ken behaf­tet, denn wenn ich einen schlech­ten Tag habe kann das Ergeb­nis auch mal ent­spre­chend aus­fal­len. Manch­mal bin ich auch ein­fach blind für Moti­ve. Als Pro­fi müss­te ich da sehr viel plan­vol­ler vor­ge­hen, denn wenn man für eine Leis­tung bezahlt wird, ste­hen ja auch Ansprü­che der Kun­den dahin­ter. Das ist dann eine gro­ße Ver­ant­wor­tung, denn ein schlech­ter Ruf ist auch in die­ser Bran­che nicht vor­teil­haft.

Die Din­ge auf die ich Ach­te sind natür­lich Abhän­gig vom Sujet bzw. The­ma. Momen­tan foto­gra­fie­re ich viel Por­traits, und irgend­wel­che unschein­ba­ren Din­ge die mei­ne Auf­merk­sam­keit erre­gen. Repor­ta­ge­fo­to­gra­fie fas­zi­niert mich, genau­so wie Street­fo­to­gra­fie. Ein paar Ein­drü­cke kannst du im Port­fo­lio sehen, oder in den Arti­keln des Blog.

Hier als mal ne lose — nicht voll­stän­di­ge — Samm­lung der Din­ge (mit Schwer­punkt Por­traitfo­to­gra­fie), auf die ich ach­te:

Vorbereitung

  • Inspi­ra­ti­on von ande­ren holen ist immer gut. Nach­her wird sowie­so alles anders.
  • Falls ich vor­her einen Plan habe, dann gibt mir das für den Start ne gewis­se Sicher­heit. Aber Plä­ne sind ja bekannt­lich dazu da über den Hau­fen gewor­fen zu wer­den, und so ent­wi­ckelt sich das gan­ze sowie­so anders als geplant, und das ist auch gut so. Plä­ne sind kein „Muss“ für mich.
  • Ist die Aus­rüs­tung voll­stän­dig? Akkus gela­den, Spei­cher­kar­ten parat und für alle Fäl­le den Reflek­tor? Schlep­pe ich nix über­flüs­si­ges mit?
  • Loca­ti­on-Scou­ting: (Fast) immer ne Kame­ra dabei­ha­ben, aber auch ohne Foto­ap­pa­rat Moti­ve „sehen“. Ich hab gelernt das  kaum ein Foto­graf ver­rät, wo er sei­ne Fotos gemacht hat. Ist aber auch nicht wich­tig — denn die Orte ver­än­dern sich sowie­so, und man­che ver­schwin­den sogar mit der Zeit. Augen auf, und selbst die Welt ent­de­cken ist viel span­nen­der. Oft braucht man eine Erlaub­nis zum Foto­gra­fie­ren, die hole ich mir vor­her ein, wenn ich es für nötig erach­te ;-)
  • Bei Por­traitfo­to­gra­fi­en ist es mir am liebs­ten ich ken­ne die Per­son die ich foto­gra­fie­re. Des­halb gibt es immer eine Vor­be­spre­chung, oder sogar ein Tref­fen vor­ab bei dem viel­leicht auch schon eini­ge Fotos ent­ste­hen. Foto­gra­fie von Men­schen ist immer ein Team­work! Eine gute Che­mie zwi­schen Model und Foto­graf, aber auch allen ande­ren Betei­lig­ten des Teams (zB. Begleit­per­son des Models, Visa­gis­tin, Beleuch­ter, Kof­fer­trä­ger) ist wich­tig für das Ergeb­nis.

Vor Ort

  • Zeit neh­men, Spaß haben, Fotos machen ohne Ende.
  • Ich ver­su­che mich nicht zu wie­der­ho­len.
  • Auch mal Zeit las­sen, schau­en. Das Motiv wir­ken las­sen.
  • Ne offe­ne Blen­de, zum Frei­stel­len ist hilf­reich. Ich bevor­zu­ge Fest­brenn­wei­ten
  • Bei Por­traitfo­to­gra­fi­en stellt/setzt/legt/lehnt/hängt sich das Model — grob gesagt — so, das das Licht von (schräg) hin­ten kommt, und ich foto­gra­fie­re ins Gegen­licht. Das mache ich ger­ne, aber dazu ist dann ein klei­ner Reflek­tor zum auf­hel­len nötig. Es geht aber auch ohne… muss dann halt über­be­lich­ten, und zB. als Belich­tungs­mes­sung die Spot­mes­sung ver­wen­den. Zu viel Son­ne ist nicht gut, zu wenig auch nicht. Son­ne senk­recht von oben ist auch nicht gut. Ein Baum ist zum abschat­ten  auch immer gut, und kann schö­ne Licht­re­fle­xe zau­bern. Wol­ken sind ein klas­se Fil­ter.
  • Licht­re­fle­xe in den Augen sind auch wich­tig, da sie ein Por­trait leben­di­ger wir­ken las­sen… da kann ein Reflek­tor auch hel­fen, wenn nötig. Die Schär­fe soll­te auf den Augen lie­gen, klar.
  • Manch­mal ist auch unter­be­lich­ten gut. Ich ver­su­che auch mal wie­der mit geziel­ter Über- und Unter­be­lich­tung zu spie­len.
  • Die Son­ne soll­te Licht­re­fle­xe setz­ten, und das Model aus­leuch­ten. Kon­tras­te (wie über­haupt in der Foto­gra­fie)… aber nicht zu star­ke (es sei denn es ist künst­le­risch gewollt). Foto­gra­fie lebt von Kon­tras­ten, und davon gibt es jede Men­ge… Pro­por­tio­nen, Far­ben, Hel­lig­keit; Mate­ria­li­en,… :-)
  • Die Per­son die ich foto­gra­fie­re soll­te nicht „posen“… zumin­des­tens nicht zu offen­sicht­lich. Das mag ich nicht so… Die Kunst ist es, die natür­li­chen, unbe­wuss­ten Momen­te ein­zu­fan­gen… Meh­re­re Fotos machen. Es hilft auch einen Ani­ma­teur zur Ablen­kung dabei zu haben, oder sel­ber tätig wer­den.
  • Blit­zen ver­mei­de ich wo es nur geht, da es die Stim­mung kaputt macht… Es sei denn, das ist künst­le­risch gewollt… weißt schon… manch­mal ist ein Blitz als Füll­licht hilf­reich.
  • Der Bild­schnitt und Bild­ge­stal­tung ist wie­der­um ne Geschich­te für sich. Quer­for­mat hilft oft. Anschnei­den (Tei­le von Kör­per oder Gesicht „abschnei­den“) ist auch öfter mal gut, beson­ders bei älte­ren Men­schen.
  • Wenn ich Por­traits foto­gra­fie­re wan­de­re um das Model rum. Fang aus gro­ßer Ent­fer­nung an, und komm dann immer näher. Ich spie­le mit der Höhe, lege mich  auch mal auf den Boden oder stell mir auf was drauf. Es gibt nix, was mir pein­lich sein muss :-) Ne Fest­brenn­wei­te hilft dabei… Ein Zoom macht faul ;-)
  • Ich hab ver­sucht schnell von der Voll­au­to­ma­tik und den Pro­gram­men weg zu kom­men. Meist stel­le ich die Blen­de ein, und lass die Ver­schluss­zeit berech­nen. Wenn ich viel Zeit habe — oder mir danach ist — benut­ze ich die Kame­ra im manu­el­len Modus.
  • Wich­tig ist viel­leicht noch zu sagen, das ich die akus­ti­sche Fokus­be­stä­ti­gung abge­schal­tet habe, da das ewi­ge Piep­sen doch recht nervt. Auch die Seri­en­bild­funk­ti­on bleibt aus. Ich drü­cke wirk­lich jedes mal bewusst ein­zeln auf den Aus­lö­ser.
  • Im Schnitt ent­ste­hen so pro Stun­de ca. ein­hun­dert Fotos, Ten­denz sin­kend.

Nachbearbeitung

  • Ich ver­su­che Fotos immer so wenig wie mög­lich nach­zu­ar­bei­ten: „Out of the Cam“ freut mich am Meis­ten. Aber ich spie­le auch mal ger­ne mit Ligh­troom oder Pho­to­shop und ent­wick­le RAW.
  • Grün als Hin­ter­grund kann pro­ble­ma­tisch sein, weil oft sehr domi­nant… da hilft in der Nach­be­ar­bei­tung ent­sät­ti­gen. Um eine bestimm­te Stim­mung, die ich vor Ort emp­fun­den habe wie­der zu geben, oder zu ver­stär­ken, ent­sät­ti­ge ich das Foto zunächst, um dann bestimm­te Farb­kom­po­nen­ten her­aus­zu­he­ben.
  • Schwarz weiß hilft auch oft… aber nicht immer. Es gibt Situa­tio­nen, da kann man auf Far­be als wesent­li­ches bild­ge­stal­te­ri­sches Mit­tel ver­zich­ten. Die Ent­schei­dung tref­fe ich aber meist erst hin­ter­her.
  • Ansons­ten beschrän­ke ich mich im in der Regel im Wesent­li­chen aufs Beschnei­den, ein wenig nach­zu­schär­fen, und ein paar Haut­un­rein­hei­ten weg­zu­stem­peln.

Beim sich­ten der Fotos bekom­me ich ganz schnell einen Blick dafür, was mir wich­tig ist, und wel­che Fotos mir gefal­len. Ich schau auch immer was nicht so gut gelau­fen ist, und neh­me mir das als Inspi­ra­ti­on für Ver­än­de­run­gen. Ich lass auch ger­ne Frem­de drauf schau­en. Denen gefal­len oft ganz ande­re Fotos als­wie mir. Ich lass mir dann erklä­ren war­um. Das hilft alles um mei­nen Blick zu schär­fen, und den Hori­zont zu erwei­tern. Ich hebe erst­mal alle Fotos auf, und schau im Lau­fe der Zeit immer wie­der drauf. Ich hab fest­ge­stellt, das Fotos, die ich heu­te aus­sor­tie­re mor­gen mei­ne Favo­ri­ten wer­den, weil sich mein Blick und mei­ne Wahr­neh­mung mit der Zeit total ver­än­dert.

Das war es so im Gro­ben ;-) …Ansons­ten: Spiel­trieb aus­le­ben. Just have fun. :-)

Viel Spaß beim foto­gra­fie­ren — Cars­ten

Ps. Das hab ich mal als Tip in einem Forum gepos­tet, und etwas erwei­tert zu die­sem klei­nen Arti­kel.

Weitere Artikel der Serie

  1. Cars­ten foto­gra­fiert, Teil 1: War­um?
  2. Cars­ten foto­gra­fiert, Teil 2: Wie?
  3. Cars­ten foto­gra­fiert, Teil 3: Mit was?

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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