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Der 5. Jahrestag — Beziehungskisten und so…

So bestän­dig wie die Erde um die Son­ne kreist kommt die­se Zeit im Kalen­der wie­der: Der Jah­res­tag. Heu­te ist es der fünf­te um genau zu sein, und das ist (mal wie­der) ein guter Zeit­punkt für eine klei­ne Refle­xi­on.

Nach dem letz­ten Jah­res­tag beschlich mich der Gedan­ke, das es wohl im kom­men­den Jahr nichts mehr zu schrei­ben gäbe, aber irgend­wie erge­ben sich die The­men auch die­ses Jahr wie von selbst. Aber mal im Ein­zel­nen:

Mein Leben an sich…

Fünf Jah­re sind ein lan­ge Zeit, aber immer um die­se Zeit kommt es mir so vor als sei das alles erst ges­tern pas­siert. Es gab lan­ge Pha­sen, vor allem in den ver­gan­ge­nen 12 Mona­ten, da bist du nicht mehr durch mei­ne Gedan­ken gewan­dert — ein Zei­chen das die „Nor­ma­li­tät“ wie­der Ein­zug gehal­ten hat. Aber den­noch bleibt alles anders, und das fin­de ich gut.

Die Gefüh­le am Jah­res­tag ver­än­dern sich mit jedem Jahr. Der extre­me Schmerz aus der ers­ten Zeit ist gegan­gen, und es ist eher Melan­cho­lie oder Schwer­mut die sich dann in mir aus­brei­tet, aber im Grun­de genie­ße ich die­se Stil­le und den Zustand in mir auch, denn es zeigt das etwas wich­ti­ges und wert­vol­les pas­siert ist, und immer noch pas­siert. In die­ser Zeit habe ich ja auch Geburts­tag, und so fällt seit die­sen Tagen die Fei­er bis­her aus. Let­zes Jahr war ich Ende Juli eigent­lich in Fei­er­lau­ne, aber als es dann in die letz­ten Tage ging war es damit doch vor­bei. Mal sehen was die­ses Jahr pas­siert.

Die Ver­gan­gen­heit ist ja unwie­der­bring­lich vor­bei. Wenn die Din­ge nicht so gekom­men wären wie sie nun mal gekom­men sind wäre mein Leben heu­te kom­plett anders, ich wäre heu­te anders… Heu­te habe ich also die­ses „ande­re neue, tol­le Leben“, und ich bin glück­lich und dank­bar das ich es so leben darf — und auch dar­über wie es mich und mein Umfeld ver­än­dert hat. Das alles hat einen unvor­stell­bar hohen Preis gehabt aber ich den­ke, heu­te bin ich so unge­fähr dort wo sie mich nach ihrem Wunsch gese­hen hat. Noch nicht ganz, denn eine neue Ver­bin­dung hat sich noch nicht erge­ben, das hat sie sich sehr für mich gewünscht — und das mein Leben „so“ sein wird, hat­te auch nie­mand von uns auf dem Plan — aber so ist das Leben genau wie es sein soll­te. Ich füh­le mich auch als Sin­gle glück­lich und rund :-) Der Rest, die Erin­ne­rung, der Schmerz und die­ser unglaub­lich abgrund­tie­fe Riss in der See­le bleibt sowie­so immer ein Teil von mir.

Spirituell, oder was?

Jemand hat mich gefragt, ob ich spi­ri­tu­ell (an mir und mei­nen Pro­ble­men) arbei­te… nein ich arbei­te nicht spi­ri­tu­ell, hab ich geant­wor­tet. Ich bin schlicht und ergrei­fend spi­ri­tu­ell… aber nicht eso­te­risch, wohl­ge­merkt! :-) Das ich mich danach auf mei­ner spi­ri­tu­el­len Rei­se befin­de muss­te mir aber jemand sagen, allei­ne hät­te ich mich nicht in die­se Schub­la­de gelegt. Für mich war das ein ganz natür­li­cher und selbst­ver­ständ­li­cher Vor­gang, aus­ge­löst durch das trau­ma­ti­sche Erleb­niss. Der viel­sa­gen­de und unglaub­lich hip­pe Begriff „spi­ri­tu­ell“ soll­te aber mit Bedeu­tung gefüllt wer­den: Für mich bedeu­tet spi­ri­tu­ell sein nicht weni­ger als authen­tisch sein, und pfleg­lich und auf­merk­sam mit der eige­nen See­le und dem eige­nen und Kör­per umzu­ge­hen… und eben­so mit ande­ren Men­schen — was nicht zwangs­läu­fig bedeu­tet deren Erwar­tun­gen zu erfül­len. Kann sein, das dies alles nicht immer gelingt — das ist auch nicht zu erwar­ten, aber der Weg ist das Ziel, und das sorgt für die posi­ti­ve Grund­stim­mung. Und es bedeu­tet los zu las­sen, und auf dem Weg zu sein… und das bin ich defi­ni­tiv :-D Es bedeu­tet in sich hin­ein zu lau­schen, immer öfter sei­ner Intui­ti­on zu ver­trau­en und zu fol­gen, und all den Din­gen die innen (und aus­sen) pas­sie­ren eine posi­ti­ve Bedeu­tung zu geben… und die Din­ge als Chan­ce für Ver­än­de­run­gen zu begrei­fen. Es bedeu­tet für mich als Sur­fer auf den Wel­len des Lebens unter­wegs zu sein. So unge­fähr und noch mehr :-D …Ja, und irgend­wie bin ich auch immer mal wie­der auf der Suche nach der Ant­wort auf die gro­ße Fra­ge: „Was soll das alles“? … also, das Leben, das Uni­ver­sum und der gan­ze Rest. Aber das ist eine ande­re Geschich­te.

Viel aktu­el­ler sind mei­ner Erkennt­nis­se im Bereich der zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen. Es hat ne Wei­le gedau­ert, bis mir gedäm­mert ist was mit mir und der Frau­en­welt los ist. Also wer­fen wir mal gemein­sam einen kur­zen Blick in mei­ne…

Beziehungskisten

Ich füh­le mich seit mehr als drei Jah­ren wie­der offen für ne Bezie­hung, aber irgend­wie hab ich das Gefühl einen Stem­pel auf der Stirn zu haben, wo drauf­steht „der nicht!“. Über die 5 Jah­re hin­weg hab ich ne Men­ge unter­schied­li­cher Sin­gle­bör­sen durch — allein dar­über könn­te ich ein Buch schrei­ben, den Freun­des­kreis, war viel Unter­wegs hab vie­le neue Kon­tak­te geknüpft, und auch sämt­li­che ande­ren Kon­takt­mög­lich­kei­ten, wie Par­ties, Fei­ern etc. abge­klap­pert — gefühl­te 1000 ers­te Dates hab ich gehabt, und die waren alle wert­vol­le, wich­ti­ge Erfah­run­gen für die ich sehr dank­bar bin. …Die Grün­de war­um es nicht klappt sind viel­schich­tig, und zum Teil so ober­fläch­lich. Manch eine ver­or­tet auch eine Schwe­re in mir, mit der sie nicht klar­kommt, oder mei­ne Geschich­te ent­puppt sich als emo­tio­na­le Nagel­pro­be für die Frau­en — was erstaun­lich oft der Fall war. Sin­ni­ger­wei­se war mei­ne ver­stor­be­ne Part­ne­rin dann ein grö­ße­res Pro­blem als der eige­ne Expart­ner, der noch sehn­süch­tig an der Haus­tü­re klin­gelt, oder an dem man „irgend­wie doch noch hängt“. Was schei­det bit­te end­gül­ti­ger als der Tod? Manch­mal war halt ein­sei­tig oder bei­der­sei­tig etwas nicht stim­mig, und das ist auch voll­kom­men okay. Manch­mal stimm­te die Che­mie auch ein­fach so gar nicht, so ist halt das Leben… alles ist Ver­such und Expe­ri­ment, um her­aus­zu­fin­den was gera­de geht, und was nicht. Manch­mal steck­ten die Frau­en auch so unglaub­lich tief in ihrer eige­nen unver­ar­bei­te­ten Ver­gan­gen­heit, das sie ein­fach dicht waren, oder sie waren gera­de auch in einer Ori­en­tie­rungs­pha­se. Das war auch alles okay, das Leben hin­ter­lässt halt sei­ne Spu­ren, und Lern­auf­ga­ben. Es war, und ist für mich span­nend und wich­tig all die­se Men­schen und deren Geschich­ten ken­nen zu ler­nen, weil es ein­fach schön ist wenn Men­schen sich öff­nen und Ver­trau­en schen­ken, und ich darf dabei auch immer etwas über mich ler­nen. Mein Fazit aus die­sen gan­zen Erfah­run­gen: Ein­fach und leicht — so wie es sein soll­te — ist das schein­bar alles nicht. Womit wir beim „Gewicht“ wären…

Die gefühl­te Schwe­re — ein bes­se­res Wort dafür ist, wie ich fin­de Tie­fe — ist bei mir ja tat­säch­lich vor­han­den. Viel wich­ti­ger als das rei­ne Vor­han­den­sein, fin­de ich aber den eige­nen Umgang damit. Für mich ist die­se Tie­fe und Schwe­re ein wert­vol­ler Schatz. Für Pro­ble­me die ande­re Leu­te damit haben kann ich nix ;-) Es ist halt auch so, das der eine schon die Nord­see bei Ebbe als boden­lo­se Tie­fe wahr­nimmt, die für mich eher flach daher­kommt. Jeder Mensch hat da sei­nen eige­nen indi­vi­du­el­len Maß­stab, und dar­an gibt es nix zu bewer­ten oder kri­ti­sie­ren… Das Gegen­teil von Schwe­re ist ja Leich­tig­keit und Ober­fläch­lich­keit im posi­ti­ven Sin­ne. Ne gewis­se Ober­fläch­lich­keit von Zeit zu Zeit erleich­tert einem das Leben sehr. Das waren Din­ge die ich ver­lo­ren hat­te, und die ich üben dürf­te und immer noch üben darf…

Die­ses Online-Dating ist an sich eine pri­ma Sache, denn es hat mir ermög­licht schon früh­zei­tig nach der Beer­di­gung unter­wegs zu sein, Men­schen zu tref­fen mich aus­zu­tau­schen, und — was für mich ganz wich­tig war — auch aus­ser­halb von Betrof­fe­nen­zir­keln und Psy­cho­lo­gen­stun­den. Dar­über hin­aus lernt man neue Orte, und die Cafés der Umge­bung ken­nen, und bekommt ein Gefühl dafür wo man sel­ber steht — auf der ande­ren Sei­te herrscht auf die­sen Platt­for­men eine auf Dau­er ermü­den­de, ober­fläch­lich daher­kom­men­de „first klick next“ Men­ta­li­tät, aber auch das ist eine ande­re Geschich­te. Den Aspekt der Bezie­hung habe ich anfangs natür­lich aus­ge­klam­mert. Das war nicht vor­stell­bar, aber den­noch ein Kom­pass…

Wann immer ich das Gefühl hat­te es könn­te pas­sen, war ich offen für ein lang­sa­mes und ent­spann­tes ken­nen ler­nen — egal was dar­aus wird. Aber die Erwar­tungs­hal­tung auf der ande­ren Sei­te war dann eher: Es muss knal­len! Und es muss schnell gehen. Muss es das wirk­lich?

Dann gibt es da immer noch den Punkt mit der See­len­ver­wand­schaft. Vie­le Men­schen fin­den ihren See­len­part­ner nie, oder glau­ben das, wenn sie ihn ein­mal ver­lo­ren haben nie­mals eine sol­che See­le wie­der fin­den, und alles was dar­un­ter liegt wirkt ein­fach schal dage­gen, so das die­se Men­schen irgend­wann resi­gnie­ren, oder erstarrt rum­sit­zen und auf ein Wun­der war­ten. Ich hat­te die­ses Gefühl anfäng­lich auch, aber Auf­ge­ben ist nicht mein Ding, und ich füge mich nur ungern in ein Schick­sal, denn ich bin sicher das man es gestal­ten und ver­än­dern kann. Klar bin ich dank­bar für das was ich erlebt habe bzw. erle­ben durf­te, aber soll­te das begeg­nungs­mä­ßig wirk­lich das Ende der Fah­nen­stan­ge sein? Ich kann mir das nicht vor­stel­len. Es ist natür­lich mög­lich das es so etwas wie eine See­len­ver­wandt­schaft nicht mehr gibt oder wir uns nicht fin­den, aber das erwar­te ich ja auch gar nicht. Eine gro­ße See­len­nä­he kann sich immer ent­wi­ckeln. Es gibt Men­schen die mir auf die­ser Ebe­ne total nah sind, auch wenn wir „nur“ befreun­det, oder bekannt sind. Ich sehe das auch weni­ger als Wun­der wenn es wie­der pas­siert, son­dern eher als ein gegen­sei­ti­ges auf­ein­an­der ein­las­sen ohne Vor­be­hal­te. Dann ist alles mög­lich. Außer­dem bin ich mir mitt­ler­wei­le sicher das zwi­schen allen Men­schen eine See­len­ver­wand­schaft exis­tiert, denn wir sind alle mit­ein­an­der ver­bun­den.

Mir hat allen erns­tes mal eine Frau in mei­nem Alter gesagt, das ich pein­lich wäre, weil ich mich nicht alters­ge­recht beneh­me. Ich habs als Lob genom­men. Vor 5 Jah­ren hat mir das Leben den Stem­pel Wit­wer dran gepappt, und alle die mich ken­nen haben gesagt das ich flott wie­der unter der Hau­be sein wer­de. Mir ist damals gar nicht auf­ge­fal­len, das die­se Aus­sa­ge aus dem Mun­de der Fami­lie irgend­wie impli­ziert das ich allein nicht lebens­fä­hig wäre, und das irgend­je­mand mei­nen Engel schnell „erset­zen“ könn­te und müss­te, damit ich wie­der in die bekann­ten, gewohn­ten, gere­gel­ten Bah­nen gelenkt wer­de. Über­haupt scheint gera­de bei Ver­wit­we­ten oft­mals ein Druck dahin­ter zu sein, und die Erwar­tung der Gesell­schaft schnell wie­der „nor­mal“, und „glück­lich“ wer­den zu müs­sen… das ist ein The­ma für sich. Ich habs mir damals jeden­falls nicht vor­stel­len kön­nen, aber es hat mir den­noch Mut gemacht, denn die Ein­sam­keit und die Sehn­sucht nach dem was ich ver­lo­ren hat­te war anfangs unglaub­lich und uner­träg­lich groß. Mei­ne Zuver­sicht stieg vor allem wenn dann noch ande­re befreun­de­te Ver­wit­we­te tat­säch­lich schon nach kür­zes­ter Zeit wie­der unter der Hau­be waren — selbst die­je­ni­gen, die sich selbst für schwer bis gar nicht ver­mit­tel­bar hiel­ten. Es kann also nicht so schwer sein… Aber all das ist bei mir bis heu­te nicht ansatz­wei­se ein­ge­tre­ten. Dabei bin ich weder ver­stockt, noch kom­pli­ziert, weder grob „pro­blem­be­haf­tet“, oder ein Bezie­hungs­flücht­ling. Ich komm auch allei­ne pri­ma zurecht, und mach mein Glück nicht davon abhän­gig ob ich in ner Bezie­hung ste­cke oder nicht. Aber die Sehn­sucht ist natür­lich den­noch von Zeit zu Zeit da… in der Zwi­schen­zeit gin­gen in mei­nem Freun­des und Bekann­ten­kreis Bezie­hun­gen und Ehen aus­ein­an­der, und neue fan­den sich. Es wur­de und wird gehei­ra­tet was das Zeug hält. Aber ich bin davon auf eine merk­wür­di­ge Art aus­ge­nom­men.

Und dann kam ja auch irgend­wann im zwei­ten Jahr die Erkennt­nis, das ich immer­hin 25 Jah­re in einer recht glück­li­chen Bezie­hung mit mei­ner See­len­ver­wand­ten leben dürf­te. Das ist wohl mehr, als sich ande­re Men­schen, die in der Zeit von Kurz­zeit­be­zie­hung zu Kurz­zeit­be­zie­hung gehop­pelt sind oder Sin­gle waren, je erträu­men. Das hat mir damals ab dem Zeit­punkt der Erkennt­nis eine gro­ße Gelas­sen­heit gege­ben, viel­leicht eine zu gro­ße.

Wäh­rend es also bei allen recht ein­fach und leicht daher kam, schien es bei mir den­noch irgend­wie alles total kom­pli­ziert zu sein und zu blei­ben. Selbst wenn es sich für mich mal schön anfühl­te, das ich mei­ne da könn­te sich was ent­wi­ckeln, türm­te sich letzt­lich irgend ein unüber­wind­li­ches Pro­blem auf der ande­ren Sei­te auf, das die Bla­se plat­zen ließ. Kei­ne Ahnung ob sie die Ursa­chen bei mir sahen, oder ob ich nur als Pro­jek­ti­ons­flä­che her­hal­ten durf­te. Alles hat sei­nen Sinn gehabt. Manch­mal hab ja ich auch die Reis­lei­ne gezo­gen, weil irgend­was nicht stim­mig war.

Es ist ja meis­tens so, das einer meist tie­fer drin steckt als der ande­re, weil es halt auch das Ego strei­chelt, wenn ein ande­rer Mensch einen mag. Und dann kommt halt der span­nen­de Punkt, wie sou­ve­rän man ist. Flüch­tet man in die­se Bezie­hung, aus Angst vor dem allei­ne sein, oder weil man unbe­dingt wie­der in ne Bezie­hung rein will — auch wenn da viel­leicht im Moment nicht so dol­le Gefüh­le da sind? Geht man auf Augen­hö­he hin­ein, weil einen der Mensch gegen­über auch begeis­tert? Pro­biert man ein­fach mal, und schaut ob sich die eige­nen Gefüh­le doch viel­leicht auch pas­sig ent­wi­ckeln? Oder blockt man ab, in der Hoff­nung das bald die nächs­te Chan­ce vor der Türe steht? Ist manch­mal ver­dammt schwie­rig „das Rich­ti­ge“ zu machen, und es bleibt immer ein Expe­ri­ment mit unge­wis­sem Aus­gang.

Und dar­aus ergibt sich häu­fig die Sache mit den Ver­let­zun­gen. Wenn man mal ver­letzt wor­den ist, wird man auto­ma­tisch in der Zukunft vor­sich­ti­ger. Es geht mir aber weni­ger dar­um das ich Angst habe ver­letzt zu wer­den, son­dern dar­um das ich den ande­ren ver­let­zen könn­te. Das war auch ein wich­ti­ger Punkt, der die Distanz ver­grö­ßert hat. Die Vor­sicht legt sich mei­ner Erfah­rung nach mit der Zeit wie­der etwas.

Irgend­wann hab ich immer grö­ße­re Pau­sen ein­ge­legt beim akti­ven suchen, und bin ein­fach nur noch auf­merk­sam durch die Welt gezo­gen. Aber es pas­sier­te den­noch nix. Mitt­ler­wei­le hab ich es kom­plett dran gege­ben. Ich bin ja auch als Sin­gle glück­lich, und auch hier kommt mit der Zeit die Distanz.

Und so…

Es ist tat­säch­lich so, das mir „seit dem“ die Frei­heit (der Frei­raum) und die Freun­de lie­ber sind als eine Bin­dung nach „altem Mus­ter“. Ich hab das in den letz­ten Mona­ten stark gemerkt. Ich brauch den Frei­raum wie die Luft zum Atmen. …irgend­wie emp­fin­de ich das allei­ne sein nicht als „stö­rend“, und habe auch kei­ne Angst davor — und all das schei­ne ich auch aus­zu­strah­len, wie mir vor kur­zem eine Freun­din gespie­gelt hat.

Es fehlt mir nichts, und in mei­nem Kopf sum­men 100000 Ide­en her­um, die ich umset­zen will. Ich hab gera­de wie­der mit Musik ange­fan­gen und kom­po­nie­re auto­di­dak­tisch drauf los weil es mir ein­fach Freu­de macht, ich ver­su­che zu malen, ich schrei­be immer noch, ich foto­gra­fie­re „immer pro­fes­sio­nel­ler“, ich hab jetzt ange­fan­gen Tau­chen zu ler­nen, ich hab immer noch die Kampf­kunst­schu­le… mei­ne Kin­der hab ich auch noch, mei­nen Teil­zeit-Job, tol­le neue Freun­de, unglaub­lich vie­le neue Bekann­te, die Fami­lie und so wei­ter… ich hab ein­fach Bock auf gestal­ten, mich aus­zu­pro­bie­ren, zu ent­de­cken, ver­än­dern und zum spie­len :-) das genie­ße ich gera­de sehr. Ich tref­fe auf mei­ner Rei­se durch das Leben auf sooo unglaub­lich vie­le tol­le Men­schen, das möch­te ich nicht auf­ge­ben. Klar, die Sehn­sucht nach Part­ner­schaft kommt auch von Zeit zu Zeit — genau so wie die Sehn­sucht nach „gere­gel­tem Leben“ und Rou­ti­ne, aber sie geht auch wie­der. Ich sehe Sehn­süch­te auch als krea­ti­ven Anschub. Sie alle zu erfül­len ist nicht unbe­dingt das Ziel, das hab ich irgend­wann hier schon mal geschrie­ben und die­se Sicht­wei­se hat sich bis hier­hin nicht groß geän­dert.

Das klingt jetzt viel­leicht alles nach Wor­ka­ho­lic, oder „der hat bestimmt was auf oder nach zu holen“…aber nee­ee… das ist ein­fach nur Spaß am Leben, ein wenig „nut­ze den Tag“, und ne Pri­se „Ent­de­cke die Mög­lich­kei­ten“. Spä­tes­tens jetzt kommt jedoch das Argu­ment das ich doch sowie­so kei­ne Zeit für eine Bezie­hung hät­te, und das ist auch nicht von der Hand zu wei­sen. Mein Leben ist echt ne kun­ter­bun­te und prall gefüll­te Wun­der­tü­te. Die­ses tref­fen­de Argu­ment ver­su­che ich immer zu ent­kräf­ten indem ich ent­geg­ne das die­ser Raum auto­ma­tisch ent­ste­hen wird wenn es soweit ist. Die Din­ge wer­den sich ohne Anstren­gung und selbst­ver­ständ­lich fügen, das weiß ich ein­fach :-)

Alles was ich mache, ist dabei nicht Selbst­zweck. Ich bin dabei die Din­ge zu ver­bin­den. Ich unter­stüt­ze frem­de Men­schen, Freun­de, Bekann­te, Fami­lie mit mei­nen Fähig­kei­ten. Ich bin dabei die Din­ge die dich — und die Erin­ne­rung an Dich betref­fen vor­an zu brin­gen: Das Tage­buch, den Gedicht­band, die Fil­me, die Grab­skulp­tur… und ich bin immer wie­der dabei Neu­land zu betre­ten, auch wenn ich nicht weiß was draus wird… man­ches bleibt auch ein­fach schön sinn­be­freit :-)

Aber ich zie­he auch kon­se­quent Gren­zen — zwei Bur­nouts waren mir eine War­nung, auch wenn das man­chen Men­schen nicht gefällt, oder wenn sie es nicht ver­ste­hen oder nur schlecht nach­voll­zie­hen kön­nen. Mein Leben ist auch recht fra­gil von Zeit zu Zeit.

Ich lass gera­de wohl nie­man­den mehr „bezie­hungs­tech­nisch“ wirk­lich an mich ran, wenn ich mer­ke das es in Rich­tung „altes Mus­ter“ läuft. Ich kann im Moment aber auch nicht genau sagen wie eine zukünf­ti­ge Bezie­hung bei mir aus­se­hen wür­de, ich weiß nur das es ganz anders sein wird… viel Frei­raum, viel ent­spann­te Geduld, posi­tiv, leicht, luf­tig, und jeman­den der auch aben­teu­er­lus­tig und neu­gie­rig auf das Leben ist, das sind ein paar gefühl­te Eck­punk­te… vie­le Men­schen „in mei­nem Alter“ die ich ken­ne und ken­nen ler­ne — auch jün­ge­re — erschei­nen mir so schreck­lich ein­ge­fah­ren und geset­telt… wie Skla­ven ihrer Gewohn­hei­ten… voll­stän­dig und funk­tio­nal ins Sys­tem inte­griert. Das ist ja per­se nix schlech­tes, nur halt nix mehr für mich. Ich spü­re das immer mehr.

Klar, ohne Lie­be geht es nicht. Aber Selbst­lie­be, die Lie­be mei­ner Kin­der, der Fami­lie, die Lie­be mei­ner Freun­de… das ist doch auch was :-) Doof nur, könn­te jetzt der auf­merk­sa­me Leser mit leich­ter Iro­nie anmer­ken, das aus­ge­rech­net die­se doch schöns­te Zeit des Lebens, in der man noch kna­ckig aber kein jun­ger Grün­schna­bel mehr ist, und auch noch nicht wirk­lich als alter Sack gilt, so mit Fir­le­fanz „ver­plem­pert“ — den man auch als rüs­ti­ger Seni­or noch gut machen könn­te, wenn sonst mit Frau­en nix mehr läuft — statt jetzt mit Mädels rum zu machen :-D …aber so ist das halt.

Fazit

Da das Leben im all­ge­mei­nen höchst dyna­misch, und immer für Über­ra­schun­gen gut ist, hof­fe ich das ich den Moment nicht ver­pen­ne wenn dann „die­ser eine Mensch“ vor mei­ner Nase steht und ich ihn erken­ne… und er mich auch.

Soweit mei­ne Bilanz, die ja immer nur ein Resü­mee, eine Refle­xi­on und Stand­ort­be­stim­mung für den Augen­blick ist. Das war glau­be ich mit 3074 Zei­chen mein längs­ter Jah­res­tag-Arti­kel aller Zei­ten, und das zeigt mir das die­se eigent­lich „ein­fachs­te Sache der Welt“ ganz schön viel­schich­tig und kom­plex daher kom­men kann, und ich fra­ge mich auch noch ob die­sen Arti­kel über­haupt jemand bis zu die­sem Satz lesen wird :-) …und ich stel­le fest das es nun nächs­tes Jahr abso­lut sicher nix mehr zu schrei­ben gibt… Mir fällt jeden­falls grad nix mehr ein aber alles ist cool, also sag ich mal frei nach Olaf Schu­bert: „Jetzt wisst ihr Bescheid. Macht was draus!“

Ich wünsch euch eine tol­le Zeit — stay tun­ed — Cars­ten

Ps. Das hät­te ich fast ver­ges­sen: Ein Gedicht gibt es auch wie­der. Das ers­te mal in Eng­lisch, und mehr als Song­text aus­ge­legt: „The Silence“ — aus mei­nem Gedicht­band Gezei­ten­strö­me.

PPs. Wäh­rend der Ent­ste­hung die­ses Arti­kels bin ich von Ute Nau­mann (WDR), für die Sen­dung Lebens­zei­chen inter­viewt wor­den. Mitt­ler­wei­le — kurz nach dem Jah­res­tag, näm­lich am 02.09.2012 — ist die Sen­dung ver­öf­fent­licht wor­den, und es hat mich gedrängt den fol­gen­den Arti­kel zu ver­fas­sen. Es ist eine klei­ne Rezen­si­on gewor­den mit Ergän­zun­gen und Gedan­ken zum The­ma.

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Bewer­tung 5 Ster­ne aus 4 Mei­nun­gen

Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

1 Kommentar

  1. Petra Staats

    27/08/2012 @ 21:57

    Hal­lo, bin grad per Zufall auf die­ser Sei­te gelan­det… Mein 5. Jah­res­tag ist am 12.12.2012 — oft muss ich dar­an den­ken. Seit die­sem Jahr mer­ke ich, die Zeit lehrt mich mit dem Unglaub­li­chen bes­ser umzu­ge­hen. Ich lebe bewuß­ter und tue das, was mir gut tut! Es gibt einen Weg in die­sem, mei­nem zwei­ten Leben und ich wer­de ihn fin­den. Genau wie die­se Sei­te… ich habe Ver­trau­en. Eine gute Zeit… Petra

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