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WDR Lebenszeichen zum Thema verwitwet und neue Beziehung

Vor ein paar Mona­ten bin ich, neben ande­ren Ver­wit­we­ten, von Ute Nau­mann zum The­ma „Bis dass der Tod Euch scheidet/und dann ein neu­es Glück?“ inter­viewt wor­den, und am 02.09.2012 ist die Sen­dung nun in der Rei­he WDR-Lebens­zei­chen erschie­nen. Wer mal rein­hö­ren mag fin­det dort — unter dem Sen­de­da­tum 02.09.2012 — den Pod­cast

Ich fin­de die ent­stan­de­ne Sen­dung wich­tig und pri­ma, aber…

natür­lich wer­den in der knap­pen Zeit weder alle Aspek­te beleuch­tet, noch die ange­spro­che­nen The­men so ver­tieft wie es deren Bedeu­tung gemäß eigent­lich ange­mes­sen wäre. Es wird ein gro­ßer Bogen um das The­ma gespannt und weder die Pro­ble­ma­tik der Nach­kriegs­zeit, noch ver­wit­we­te Pro­mi­nen­te als posi­ti­ve Bei­spie­le für ein neu­es Glück nach dem Tod des Part­ners aus­ge­las­sen.

Die Sen­dung macht mir deut­lich, das sich bestimm­te Din­ge wie die Viel­falt der Gefüh­le, der unsäg­li­che Schmerz, die Zer­ris­sen­heit zwi­schen Hoff­nung und Ver­zweif­lung, das auf und ab der Gefüh­le über die Zeit, sich so ein­fach nicht trans­por­tie­ren las­sen. Auch die Ver­än­de­rung die in uns vor geht kam nicht rüber. Sie macht mir noch­mals klar, das — und das ist jetzt kein Vor­wurf — man es nicht wirk­lich ver­ste­hen kann wenn man es nicht sel­ber erlebt hat. Dar­über zu berich­ten, bzw. den Bericht aus zwei­ter Hand zu hören, ist halt etwas ande­res als es zu durch­le­ben — okay, das ist jetzt auch irgend­wo ne Bin­sen­weis­heit.

Es ist schon merk­wür­dig sich so sel­ber zu hören. Es haben ja nur eini­ge Frag­men­te des Inter­views in die Sen­dung gefun­den, und durch die­se Ver­kür­zung und Aus­wahl erscheint mir, das alles was ich erlebt habe in Sum­me irgend­wie „leicht“ rüber­kommt… Ver­gleicht zum Bei­spiel ein­fach mal mei­ne Aus­sa­gen aus dem Pod­cast mit mei­nem Arti­kel zum 5. Jah­res­tag, oder mit unse­rem Darm­krebs-Tage­buch.

In der inten­sivs­ten Zeit sei­ner Trau­er ist der Mensch eine Zumu­tung. Das kommt in der Sen­dung leicht als Vor­wurf ver­klei­det rüber, aber das ist gut so… das muss so sein, denn einem Erd­rutsch gleich ver­schiebt sich das gan­ze Gefü­ge der Wahr­neh­mung. Da stür­zen Wel­ten zusam­men, und es ist nur logisch das Aus­sen­ste­hen­de ein­fach nicht mit­kom­men, und mit dem Trau­ern­den über­for­dert sind. Des­halb emp­fin­de ich den ver­ständ­nis­vol­len aber gleich­zei­tig auch vor­wurfs­vol­len Unter­ton im Inter­view etwas deplat­ziert.

Vor allem das sich auf online Dating-Platt­for­men hun­der­te von „weib­li­chen Bewer­bern“ auf einen stür­zen habe ich mit erstau­nen ver­nom­men, und es klingt fast wie ein Kli­schee (zum Bei­spiel das vom begehr­ten Wit­wer), aber ich freue mich für die Betrof­fe­nen. Gera­de die Online-Dating Erfah­run­gen klin­gen für mich so glatt, schön und easy wie aus einem Wer­be­pro­spekt. Ich kann das aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren so über­haupt nicht bestä­ti­gen. Auch wenn ich eher gegen­tei­li­ge Erfah­run­gen gemacht habe — das ist mal ein Blog-The­ma für sich, fin­de ich es toll das es offen­sicht­lich mög­lich ist. :-D Naja, die Sen­dung soll ja Mut machen…

aber

…sie hin­ter­lässt selbst bei mir als Betrof­fe­nem das leicht zwie­späl­ti­ge Gefühl das Ver­wit­we­te „etwas merk­wür­di­ge, schwie­ri­ge, leicht ange­staub­te und eher rück­wärts gewand­te Zeit­ge­nos­sen“ sind. Die­ses Bild mag so nicht beab­sich­tigt sein, aber es wird bei mir trotz des durch­aus posi­ti­ven Grund­te­nors vor allem im hin­te­ren Teil der Sen­dung erzeugt, wo Ver­wit­we­te mit ihren neu­en Part­nern zu Wort kom­men. Mir kommt der Gedan­ke, das sich Nicht­be­trof­fe­ne durch die eher ein­sei­ti­ge Aus­wahl der Prot­ago­nis­ten in ihrem doch häu­fig dif­fus nega­ti­ven Bild oder bes­ser Kli­schee über Ver­wit­we­te — das ja auch durch die Tabui­sie­rung in der Gesell­schaft geprägt wur­de — bestä­tigt füh­len. Man rennt dau­ernd auf den Fried­hof, die Kla­mot­ten und Möbel aus dem alten Leben ste­hen noch rum, man kann sich nicht vom alten Leben tren­nen und redet per­ma­nent von oder mit dem Ver­stor­be­nen, von rum­ste­hen­den Fotos des Ver­stor­be­nen sieht man die Wand nicht mehr. So rich­tig Lie­be ist es auch nicht, war­um man mit dem neu­en Part­ner zusam­men ist. So ein ver­wit­we­ter Mensch kommt hier mehr als „Belas­tung“ rüber, aber Hey! Ne neue Bezie­hung zu fin­den ist trotz­dem ganz easy. Die Pro­mis, egal wie jung oder alt, haben es ja auch geschafft und sogar erheb­lich jün­ge­re Part­ner gefun­den, und das nach recht kur­zer Zeit… Hmmm. Viel­leicht soll­te ich auch pro­mi­nent wer­den. Dann klappt es ganz sicher… Mir hat da der Gegen­pol gefehlt, oder die Zwi­schen­tö­ne, und so habe ich mich und mein Lebens­ge­fühl in die­sem Teil der Sen­dung über­haupt nicht wie­der gefun­den.

Die zen­tra­le Fra­ge war und ist für mich: „Wie schafft man es trotz der vor­han­de­nen Schwe­re wie­der Leich­tig­keit in sein Leben zu bekom­men, und zu flie­gen“? Wie schafft man es allei­ne glück­lich zu wer­den? Wel­che Wege füh­ren dort hin? Für mich war das sehr wich­tig: Erst mich sel­ber neu zu fin­den, und aus mir selbst her­aus glück­lich zu sein, um dann viel­leicht wie­der in eine neue Ver­bin­dung zu gehen… die­se Fra­gen sind zu kurz gekom­men.

Die Fra­ge im Titel der Sen­dung „…und dann ein neu­es Glück?““ wird abschlie­ßend so beant­wor­tet: „Zurück im Leben sein“, bedeu­tet in einer Bezie­hung zu sein… Auch wenn das erstre­bens­wert ist, oder wenn die Sehn­sucht danach groß ist… Es geht auch anders, fin­de ich. :thumb:

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Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

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