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Back to the roots: Rolleiflex

Normal schreibe ich ja gar nicht über Fototechnik und allem was damit zusammen hängt, aber heute mache ich mal eine Ausnahme. Es ist nämlich etwas ganz besonderes passiert. Ich habe seit dem 7. diesen Monats einen neuen Fotoapparat. Gut, das ist jetzt erstmal nix besonderes – Fotoapparate wechseln dauernd ihren Besitzer. Ich habe aber nicht irgendeinen Fotoapparat erstanden sondern eine Rolleiflex 3.5F Type 3 Mittelformatkamera, Baujahr so gegen Ende der 60er, mit einer 75mm F3.5 Xenotar Linse, und einer Heidosmat 75mm F2.8 Sucherlinse. Genannt wird diese Art Kamera „Twin Lens Reflex“ oder kurz TLR. Das Ding ist voll alt, voll ohne Garantie, voll analog, und voll mechanisch – somit braucht es keine Batterien. Ab heute ist das also alles voll meins :-) yummi

Rolleiflex

Stellen sich nur die Fragen: Warum mach ich so etwas, wo doch heute alles so voll easy und digital und hochauflösend ist? Worauf habe ich beim Kauf geachtet, und wie war das mit dem ersten Film?

Warum kaufe ich mir einen analogen Fotoapparat?

Um damit zu fotografieren natürlich! :-) Es war ein nostalgischer Reflex. Ich hatte einfach das Gefühl das ich damit zum bewussteren fotografieren angehalten werde, und das es meine Sicht auf die Dinge positiv verändert. Ich mag den hellen Schachtsucher durch den man von oben schaut. Die Kamera hat dadurch einen tieferen Standpunkt als normal – sie hängt quasi auf Bauchhöhe oder anders gesagt sie schaut aus der Perspektive der Kinder. Ungewohnt ist lediglich das man alles spiegelverkehrt sieht, und das es einen Parallaxenfehler gibt der sich besonders bei geringer Distanz zum fotografierten Objekt bemerkbar macht. Ich mag das quadratische Format – und das Mittelformat liegt mir näher als das Marketinggetöse um das „Vollformat“ – das ja eigentlich Kleinbild heißen müsste, und die zweiäugige Rolleiflex ist halt einfach Kult. Ich hab ja einen Hang zur Reportagefotografie, und diese Kameras haben Jahrzehnte lang Weltgeschichte geschrieben, oder besser gesagt abgebildet. Die Kamera war bei Reportern wohl wegen ihrer Robustheit so beliebt, aber auch weil man lediglich das surren des Verschlusses hört, was leise aber auch ziemlich erschütterungsfrei von statten geht – anders als bei einäugigen Spiegelreflex-Kameras, wo ja erst der Spiegel aus dem Strahlengang bewegt werden muss damit das Foto belichtet werden kann.

Worauf ich keim Kauf geachtet habe

  • Auf die Seriennummer
  • Auf den Preis
  • Das die Linsen nicht stumpf/matt und beschädigt sind
  • Kein Schimmel/Pilzbefall
  • Das der Verschluss arbeitet
  • Das der eingebaute Belichtungsmesser funktioniert sofern er vorhanden ist
  • Das sich Blende, Verschlusszeit, Entfernung, und ISO leichtgängig einstellen lassen.
  • Welches Zubehör ist dabei? Tasche mit Abdeckung für die Seite, Tragegurt und Filtertaschen, Gegenlichtblende, bei vorhandenem Belichtungsmesser: Diffusor vor dem Lichtsensor, Verschlusskappe, Filter, Nahlinsen

Nicht alles muss vorhanden und intakt sein, aber fehlende oder defekte Teile mindern den Kaufpreis. Dazu schreibe ich später noch ein paar Zeilen…

Wartung und Reparatur

Wenn man ein Kameramodell erwischt hat das in nicht mehr so gutem Zustand ist kann man sie auch heute noch für rund 300 Euro oder mehr zum Beispiel bei www.classic-camera.de oder www.classic-fototechnik.de oder www.camera-service.ch oder www.paepke-fototechnik.de oder www.ffs-service.de warten, restaurieren oder reparieren lassen. Diesen Betrag sollte man in die Anschaffungskosten mit einrechnen. Weitere Anlaufstellen gibts hier.

Und los geht’s…

Ich hab mir dann auch gleich ein paar Filme besorgt, und das einlegen eines Films ist – anders als bei den digitalen Urenkeln – ein echtes Abenteuer! zu mindestens am Anfang.

Film einlegen - das Runde muss ins Eckige.

Film einlegen – das Runde muss ins Eckige.

Der erste Film

Das Runde muss nun ins Eckige. Alleine der Geruch wenn man die Filmtüte aufreißt! Die Karte da links unten fasst mehrere hundert Fotos, der Film daneben satte 12 Aufnahmen! In Farbe! :-) der Film hat 160 ASA und mal eben hochdrehen ist nicht! Aber dafür hab ich jetzt 6×6 Mittelformat. Mal sehen was geht. Die Kamera ist geladen, der Belichtungsmesser liegt bereit, my body is ready to shoot. Bin gespannt. Jetzt brauche ich nur noch Licht, ne ruhige Hand und ein geduldiges Model!

Der erste Film ist erst mal nur zum Testen. Die Frage ist ja ob der Verschluss bei allen Zeiten richtig arbeitet – da kann altes Harz schon mal für Ärger sorgen, und die Box lichtdicht ist. Es ist auf jeden Fall ein anderes fotografieren. Ich benötige sehr viel mehr Ruhe um ein Foto zu machen. Es gibt keinen Autofokus, noch nicht mal ein Schnittbild – das bedeutet ich darf die Schärfe anhand des gesamten Sucherbildes schätzen. Ein eben solches Schätzeissen ist der eingebaute Belichtungsmesser, aber er funktioniert wenigstens noch. Wie gut, das wird der erste Film zeigen. Stabilisiert ist an der Kamera selbstredend auch nix, und bei einer 500stel Sekunde Belichtungszeit ist Schluss. Ich bin gespannt.

*Fotos folgen*

Ein erstes Fazit

Ich habe zwar erst wenige Fotos gemacht, kann aber jetzt schon sagen das fotografieren auf einmal einen ganz anderen Rhytmus bekommt. Dieses „nicht direkt nachschauen“ können erfordert ganz schön viel Geduld. Diese Entschleunigung tut auch meiner digitalen Fotografie gut, denke ich. Aber analoges fotografieren wird dennoch kein 2. Hobby von mir… ich machs halt nur von Zeit zu Zeit, und in ganz speziellen und besonderen Momenten.

Ps. Eine Kamera die mich auch noch fasziniert ist die Pentax 67. :-)

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Bewertung 4.5 Sterne aus 2 Meinungen

Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

5 Kommentare

  1. Hi,

    ich habe auch so eine, aus dem Nachlass meines Vaters. Habe letztes Jahr das erste mal damit einen Film verknipst. Von 12 Fotos ist eines richtig toll geworden, der Rest ist noch Verbesserungswürdig. Aber Spaß hat es gemacht. Kostete in den 60er Jahren neu über 600 Mark. Ich habe noch die Originalrechnung.

    Viel Spaß mit deiner Rollei, ein tolles Teil, auch heute noch.

    VG Brigitte

    Antworten
  2. Carsten Nichte

    30/04/2013 @ 12:02

    Hallo Brigitte, danke :-) …ich glaube 600DM waren damals recht viel Geld. Ich habe jetzt auch den ersten Film entwickeln lassen. Das hat unter einem Euro gekostet für 12 Aufnahmen. Zwei bis drei Aufnahmen sind wohl was geworden. Jetzt muss ich nur noch irgendwo preiswert Papierabzüge von den Negativen fertigen lassen, oder die negative Scannen. Ich bleibe gespannt :-)

    Antworten
  3. Hallo Carsten,

    gratuliere zu der Rolleiflex. Ich bin seit zwei Jahren auch stolzer Besitzer einer 3,5F. Nach jahrelangem Sehnen habe ich mich schließlich durchgerungen… Leider halten mich Familie und Job zur Zeit so sehr auf Trab, dass ich nicht wirklich zum Fotografieren komme – die Zeiten werden sich aber auch wieder ändern. Ich wünsche Dir viel Spaß mit Deiner Kamera.

    Grüße

    Ki

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  4. Pingback: Zweiäugige Rolleiflex 3,5F mit Schneider Kreuznach Xenotar TLR | 木 online

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