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Fotografie zwischen Share & Like…

Den Arti­kel „Sha­re dich zum Teu­fel“ auf kwerfeldein.de habe ich heu­te Mor­gen kopf­ni­ckend gele­sen bis Genick­star­re ein­setz­te. Rüdi­ger Beck­mann spricht mir sowas von aus der See­le, spie­gelt mein Emp­fin­den und er.leben wie­der, und er ist dabei so umfas­send das eigent­lich jedes wei­te­re Wort über­flüs­sig ist. Bra­vo! Eigent­lich war ich voll, und mir fiel nix ein was ich dazu noch hät­te sagen kön­nen. Den­noch hat­te ich den Arti­kel spon­tan kom­men­tiert, und dann ließ mich das The­ma heu­te den gan­zen Vor­mit­tag nicht mehr los. Mir kamen immer mehr Gedan­ken, und so habe ich mei­nen Kom­men­tar flott zu einem eige­nen klei­nen Arti­kel aus­ge­baut:

Spielplatz

Spiel­platz

Ich stel­le mir auch öfter mal die Fra­ge was soll ich hier? Ich mag die­se Selbst­ver­mark­tung und Selbst­in­sze­nie­rung nicht, und die Art und Wei­se wie sie mir vom Inter­net auf­ge­zwun­gen wird. Den­noch neh­me ich in zurück­ge­nom­me­ner Art dar­an Teil, eben weil ich mich auch mit­tei­len mag, und ger­ne über die­se Soci­al-Com­mu­ni­ty namens Face­book in Kon­takt mit mei­nen Freun­den bin, wobei „Freund“ bedeu­tet wir ken­nen uns in der Regel per­sön­lich :-) Man bekommt schon mehr von­ein­an­der mit als auf tra­di­tio­nel­lem Wege. Ich mag die­se lose gekop­pel­te Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on — es ist als ob man bei­läu­fig mit­be­kommt was ent­fernt leben­de Freun­de gera­de machen. Da „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“ nicht geht, ist der Preis dafür das Ein­las­sen auf die Regeln des Betrei­bers, das Her­aus­ge­ben per­sön­li­cher Daten und Infor­ma­tio­nen — das Akzep­tie­ren von Wer­bung, das man manch­mal mehr mit­be­kommt als man eigent­lich möch­te, und sich fühlt wie auf einem Markt zwi­schen lau­ten Markt­schrei­ern die um Auf­merk­sam­keit buh­len…

So erscheint es mir auch das die Welt dort nur noch aus Foto­gra­fen, Foto­gra­fi­en und Foto­gra­fier­ten besteht, denn das ist was mir das Inter­net mit sei­nen auto­ma­ti­sier­ten Mecha­nis­men vor­gau­kelt. Ich wer­de mit Foto­tech­nik bewor­ben, bekom­me Foto­se­mi­na­re ange­bo­ten, Foto­gra­fen schau­en Foto­gra­fi­en, ver­net­zen sich mit Foto­gra­fen liken und kom­men­tie­ren sich gegen­sei­tig. Ich fra­ge mich schon lan­ge was das soll. Die­ses Jagen nach Likes und Fol­lo­wern, die­ses „folgst du mir so fol­ge ich dir“ Spiel, die­ses „fishing for com­pli­ments“ ist nicht meins, und ich habe mich ganz schnell davon getrennt als ich gemerkt habe das die Men­schen sich nicht im gerings­ten für mei­ne Arbei­ten inter­es­sie­ren, son­dern nur auf mein „Like“ aus waren. Für mich war es okay, wenn ich jeman­dem Fol­ge dem mei­ne Arbei­ten nicht gefal­len. Dann gibt es aber auch die­se Men­schen, die einem einen Like geben mit der Auf­for­de­rung es doch im Gegen­zug gleich zu tun. Ich habe mir dann deren Arbei­ten ange­schaut und nur ein Like zurück gege­ben wenn mich die Arbei­ten ange­spro­chen haben. Der „nicht like“ wur­de aber mit sofor­ti­gem „Like-Ent­zug“ bestraft. Ich hab es nicht ein­ge­se­hen Foto­gra­fen zu „liken“ deren Arbei­ten mich nicht anspre­chen. Was nüt­zen mir 1000 Fol­lo­wer die sich nicht inter­es­sie­ren? Was nüt­zen mir Fotos in mei­ner Time­li­ne die ich nicht sehen mag? Mir ist EIN Fol­lo­wer lie­ber dem an mei­nen Arbei­ten etwas liegt. Es ist ein merk­wür­di­ges Sys­tem. Face­book, Insta­gram, Pin­te­rest und wie sie alle heis­sen sind moder­ne Tama­got­chis, deren Stream per­ma­nent gefüt­tert wer­den will, wie ein uner­sätt­li­cher Viel­fraß, und die Beloh­nung ist Auf­merk­sam­keit für einen Augen­blick. Es erscheint mir wie ein Tanz ums gol­de­ne Kalb, ein immer schnel­le­res dre­hen um sich selbst und sei­nes­glei­chen. Mir wird schwin­de­lig davon.

Für mei­nen „künst­le­ri­schen Wer­de­gang“ und mei­ne Suche nach mir selbst spielt das alles kei­ne Rol­le — aber es beein­flusst mich natür­lich posi­tiv wie nega­tiv. Auch habe ich kei­ner­lei Erwar­tung über Face­book und Co. bekannt zu wer­den. Des­halb ver­brin­ge ich auch „kei­ne“ Zeit mit der Selbst­ver­mark­tung. Sie raubt mir Zeit für die wesent­li­chen Din­ge, und ich bin als „nicht kom­mer­zi­el­ler“ Mensch ja auch nicht dar­auf ange­wie­sen. Den­noch fol­ge ich natür­lich eini­gen Foto­gra­fen und ande­ren Künst­lern, und freu mich auch über Fol­lo­wer. :-)

the dawn of summer

the dawn of sum­mer

Ich sehe es so das die­se Suche nach dem eige­nen Aus­druck, nach dem Sinn, nach dem was in mir brennt und irgend­wie raus will nichts damit zu tun hat in wie vie­len Com­mu­nities ich prä­sent bin, wie vie­le Leu­te mich dort ken­nen, und wie vie­le Likes und Kom­men­ta­re unter mei­nen Fotos ste­hen. Mir ist egal ob jemand mei­ne Arbei­ten mag, aber ich freue mich selbst­re­dend wenn sie jeman­dem gefal­len. Manch­mal mag ich sie sel­ber nicht aber ich fin­de viel­leicht den­noch etwas beson­de­res dar­in, und wun­de­re mich was sich da Bahn bricht. Immer wie­der ent­spricht das auch unse­ren Seh­ge­wohn­hei­ten und dem was mir über­all an Bil­dern begeg­net — was ich dann auch als lang­wei­lig und schon tau­send­fach gese­hen emp­fin­de. Manch­mal auch nicht, und dann mer­ke ich das ich etwas für mich beson­de­res geschaf­fen habe und viel­leicht auf mei­nem Weg ein Stück wei­ter gekom­men bin. Manch­mal ste­he ich auch auf der Stel­le und bin ein­fach blind, und so bin ich halt mein eige­ner Pfad­fin­der, und so doku­men­tie­re ich hier mei­nen Weg.

Manch­mal den­ke ich: „Je mehr Fotos ich mir von ande­ren Men­schen anschaue, je mehr ande­ren Men­schen ich fol­ge, des­to weni­ger fol­ge ich mir sel­ber“. Manch­mal frus­triert die­ses Umschau­en auch. Zum Bei­spiel wenn die eige­ne Bild­idee, oder eine Stim­mung schon irgend­wo auf der Welt viel per­fek­ter und beein­dru­cken­der, spek­ta­ku­lä­rer, inten­si­ver, gefühl­vol­ler, tref­fen­der umge­setzt wur­de. Das glo­ba­le Dorf Inter­net emp­fin­de ich dann als Fluch und Segen zugleich — weil das Umschau­en, das Betrach­ten einer Foto­gra­fie, einer Skulp­tur, eines Gemäl­des, oder eines Tex­tes ja auch einen neu­en Fun­ken ent­zün­den kann. Man kann sich dar­an reflek­tie­ren und sich inspi­rie­ren las­sen, aber auch über­for­dern. Das Inter­net ist wie ein Schleif­stein, und es besteht die Gefahr das der eige­ne ganz indi­vi­du­el­le und so wert­vol­le Blick­win­kel geschlif­fen wird bis nichts mehr von ihm übrig ist. Manch­mal ist weni­ger mehr. Das Inter­net ist eine gigan­ti­sche, über­bor­den­de, über­for­dern­de Inspi­ra­ti­ons­quel­le. Es eröff­net einem neue Wel­ten, aber es führt einem auch die eige­ne Limi­tie­rung vor Augen. Die Kunst ist sich nichts dar­aus zu machen.

put your dreams in a box

put your dreams in a box

Bei die­sem geschäf­ti­gen Lärm und die­ser Über­do­sis an Kunst um mich her­um fällt es mir oft nicht leicht mich zu redu­zie­ren, in mich her­ein zu lau­schen und drau­ßen vor der Haus­tü­re zu schau­en wer und was mich umgibt und was ich davon für mei­ne Arbei­ten und mei­nen Weg nut­zen kann, um dann unab­hän­gig davon ob es der Welt gefällt oder nicht, etwas zu gebä­ren. „Kunst“ kann es — wenn über­haupt — für mich aber erst dann wer­den, wenn es mir gelingt das eige­ne Gefühl zum Betrach­ter zu trans­por­tie­ren… oder halt ein ande­res. Was letzt­lich Kunst ist, und was eine „ordi­nä­re“ Foto­gra­fie ent­schei­det letzt­lich jeder Betrach­ter indi­vi­du­ell für sich. Inspi­ra­ti­on hat für mich auch immer was mit Intui­ti­on, Auf­merk­sam­keit und Kon­zen­tra­ti­on zu tun — und all das wird durch das Inter­net zer­streut. Es befreit unge­mein sich dem sozia­len Druck „gefal­len wol­len“ zu müs­sen, und likes zu sam­meln nicht zu beu­gen. Ich mer­ke aber auch das mir Foto­kur­se nichts (mehr) nüt­zen in mei­ner Ent­wick­lung, das das was ich suche jen­seits tech­ni­scher Per­fek­ti­on, der puren Abbil­dung, Model­po­sen, und schrä­gen nie gese­he­nen Insze­nie­run­gen liegt. Ich habs aber noch nicht gefun­den, und des­we­gen bleibt die Foto­gra­fie auch wei­ter­hin ein span­nen­der Weg für mich, inclu­si­ve aller Feh­ler, Irr­we­ge und Neben­schau­plät­ze. :thumb:

Einen schö­nen Tag für euch… Habt´s gut!

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Bewer­tung 4.9 Ster­ne aus 8 Mei­nun­gen

Autor: Carsten Nichte

Hi. Ich bin Softwareentwickler, Kampfkunstlehrer, Fotograf, manchmal Autor und Betreiber dieses Blog. Hier dreht sich alles um Fotografie, Schreiben, die Kampfkunst WingTsun und den Rest meines Lebens. Ich wünsche dir viel Spaß, und auch besinnliche Momente auf meiner Webseite, und freue mich über jede Rückmeldung.

8 Kommentare

  1. Bin über den Arti­kel auf kwer­feld­ein jetzt bei dei­nen Gedan­ken dazu bei dir gelan­det und kann auch hier nur zustim­mend nicken :-)
    LG Andrea

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  2. Ich bin mit vie­lem, was du schreibst, ein­ver­stan­den. Und doch sehnt sich am Ende jeder — und dabei schliess ich mich ein — doch nach Aner­ken­nung, im rea­len Leben sowie auch im Inter­net, und dies geschieht online halt meist in Form von Likes oder Kom­men­ta­ren.

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    • Carsten Nichte

      30/04/2013 @ 13:07

      Hi Leah. Ja du hast recht irgend­wo sehnt sich jeder nach Aner­ken­nung, und vor allem gibt es die­se Sehn­sucht wahr­ge­nom­men und ernst­ge­nom­men zu wer­den mit dem was man tut… auch als der Mensch der man ist — das schließt mich auch ein. Ich nut­ze Face­book ger­ne um mit Freun­den in Kon­takt zu blei­ben… dafür ist es geni­al. Bei allem ande­ren übe ich mich aller­dings gera­de in Reduk­ti­on :-D

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  3. Den Arti­kel auf kwer­feld­ein habe ich zwar noch nicht gele­sen, aber ich ver­ste­he was du meinst. Ich den­ke, dass wir mitt­ler­wei­le in einer Zeit der sozia­len Medi­en leben, sei es bei Face­book, wo uns die Leu­te haut­nah an ihrem Pri­vat­le­ben teil­ha­ben las­sen, oder im TV wo der Bau­er sei­ne Frau am Bild­schirm wäh­rend des Frau­en­tauschs und der Live­ge­burt vor den ers­ten Gesangs­ver­su­chen des Spröß­lings mit Mil­lio­nen von Men­schen teilt. Ich für mei­nen Teil freue mich aber den­noch immer sehr, wenn Men­schen mei­ne Bil­der zu schät­zen wis­sen und tei­len und liken :) Viel­leicht bin ich schon Face­book­jun­kie :)

    In die­sem Sin­ne, dir einen schö­nen Fei­er­abend !!

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    • :thumb: Ich den­ke auch sozia­le Medi­en haben ihre Daseins­be­rech­ti­gung. Ich nut­ze sie ja auch ger­ne, und bin mir der Kon­se­quen­zen bewusst. Aber wie bei allem kommt es auf die Dosie­rung an, und auf die Moti­va­ti­on — die Grün­de war­um ich sie nut­ze. Von Zeit zu Zeit über­prü­fe ich mich selbst, und ich bin bis auf wei­te­res zu dem Schluss gelangt mei­ne Zeit dort zu redu­zie­ren.

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  4. Kai Lamparter

    19/06/2013 @ 09:13

    Wer kennt das nicht, ein Foto, das einen ganz ein­nimmt und selbst begeis­tert, ande­ren zei­gen zu wol­len. Wenn das in nächs­ter Nähe gesche­hen kann und der aus­ge­wähl­te Betrach­ter einen direk­ten Kom­men­tar dazu geben kann oder eine Dis­kus­si­on ent­steht, kann das sehr frucht­bar sein, für die eige­ne foto­gra­fi­sche Wei­ter­ent­wick­lung.

    Wenn aller­dings so ein Foto in die wei­te Welt des Inter­net — wel­che in Wirk­lich­keit nicht annä­hernd so weit ist, wie wir uns das manch­mal vor­stel­len — ent­las­sen wird und und wir auf Likes war­ten, die dann im unglück­lichs­ten Fall noch nicht ein­mal gege­ben wer­den, viel­leicht weil der unbe­kann­te Betrach­ter selbst zu eitel dafür ist, dann ver­liert die­ses Bild schein­bar an Wert. Eben­so emp­fin­de ich es oft bei Kom­men­ta­ren — vor allem jene, die offen­ba­ren, dass sich der Betrach­ter schon sehr abmü­hen muss­te, Wor­te zu fin­den und nicht nur den Like-But­ton zu betä­ti­gen. Kom­men­ta­re, die so über­haupt nicht die eige­nen Emp­fin­dun­gen und die eige­ne Moti­va­ti­on die­se Auf­nah­me gemacht zu haben wie­der­spie­geln.

    Daher emp­fin­de ich es als hilf­reich Bil­der eher mit Men­schen zu bespre­chen, von denen wir zumin­dest einen kri­ti­schen Blick erwar­ten kön­nen und denen wir auch eine kon­struk­ti­ve Kri­tik zuge­ste­hen.

    Die anschlie­ßen­de Selbst­ver­mark­tung und das Bedürf­nis auch zu zei­gen, was gelun­gen ist — an bei­dem ist per se nichts Anrü­chi­ges -, bekommt dann einen ganz ande­ren Gehalt. Das Bild ist plötz­lich viel geschütz­ter, da man sei­nen Wert bereits kennt. Ob die­ser Wert auch von ande­ren erkannt oder aner­kannt wird, ist viel eher Spiel­art des jewei­li­gen Medi­ums, als wirk­li­cher Maß­stab einer künst­le­ri­schen Kri­tik.

    Das Bedürf­nis und die Schwie­rig­keit wahr­ge­nom­men und ernst genom­men zu wer­den, wird mit der Viel­zahl an Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht weni­ger. Sehen wir bes­ser zu unse­re Bil­der für uns selbst zu schüt­zen und sie nicht nur auf Basa­ren der Eitel­keit zu ver­ram­schen.

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    • Hi Kai, das ist ein span­nen­der Gedan­ke. Ein like ist immer nur etwas sehr ober­fläch­li­ches das im vor­über­ei­len ver­teilt wird. Eine tie­fe­re Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Werk — die ja auch immer eine Beschäf­ti­gung mit sich selbst ist — fin­det nicht statt. Das spie­gelt ganz gut den Zeit­geist wie­der. Die wenigs­ten Men­schen wol­len in die Tie­fe gehen, meist wird nur flott kon­su­miert. Das ist auch gut in Aus­stel­lun­gen zu beob­ach­ten.

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