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Trauerwege

Da die Trau­er im all­ge­mei­nen in Wel­len ver­läuft, habe ich mich dar­auf ein­ge­rich­tet. Ich ver­su­che in mei­nem Leben Glanz­punk­te zu set­zen. Sei es durch Sport, tref­fen mit Freun­den, Unter­neh­mun­gen mit den Kin­dern — und zwar aus­schließ­lich nur dann, wenn ich es auch wirk­lich will.

Ich tu nur das was mir gut tut. Ich quä­le mich nicht, lass mich zu nix zwin­gen, auch nicht für die Kin­der. Wenn die etwas unter­neh­men wol­len, und ich bin nicht in der Lage, dann sprin­gen wenn mög­lich Freun­de ein. Mei­ne Kids akzep­tie­ren mei­nen Zustand aber auch so weit. Sie mer­ken direkt, wenn ich nicht „gut drauf“ bin.

Soweit der Plan.

Ich bin Kampf­künst­ler, mei­ne gan­ze hilf­lo­se Wut las­se ich beim Trai­ning — da müs­sen mei­ne Trai­nings­part­ner dann lei­den, und ich auch. Die machen das aber ger­ne, sind froh, wenn sie mir hel­fen kön­nen. Dabei, und danach bin ich für ein paar Stun­den ein ande­rer Mensch. Ich kann mich dabei voll auf mich fokus­sie­ren. Das genie­ße ich dann. Bis ich spä­ter wie­der in ein Loch fal­le.

Die­ses Pen­deln zwi­schen den extre­men ist sehr anstren­gend. Es zer­reißt mich fasst. Aber dann füh­le ich wenigs­tens das ich lebe, und das es sich viel­leicht doch lohnt wei­ter zu machen.

Die Besu­che am Grab brin­gen mir end­lo­se Ruhe und Kraft. Das hät­te ich vor­her nicht gedacht.

Das ist der­zeit mein Weg

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Für dich geh ich bin ans Ende die­ser Welt, und wei­ter. Die Welt ist so schreck­lich kalt und leer ohne dich…

Aufgenommen irgendwo am Nordkap 1988

Auf­ge­nom­men irgend­wo am Nord­kap 1988

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Schreibzwang

Ich gehe ganz offen­siv mit mei­ner Trau­er um — genau­so wie wir mit der Krank­heit umge­gan­gen sind. Ich hab mir alles von der See­le geschrie­ben, und tue es noch. Ich will mich erin­nern.

Kurz nach dem Tod mei­ner Frau Clau­dia am 21. August 2007 war mein Hirn wie leer gefegt. Dann hab ich mich direkt hin­ge­setzt und geschrie­ben. Eine Erin­ne­rung nach der ande­ren tage­lang, wochen­lang, mona­te­lang. Mitt­ler­wei­le bin ich beru­higt, das ich doch noch Erin­ne­run­gen habe. Es ist schön die­se Nach­zu­le­sen, weil ich sie fest­ge­hal­ten habe.

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Ich habe die­ses öffent­li­ches Web­log auf­ge­setzt, in dem ich über mei­ne Trau­er schrei­be, habe 130 der schöns­ten Fotos von mei­ner Clau­dia gesam­melt und ver­öf­fent­licht. Mich ver­las­sen immer wie­der mei­ne Kräf­te. Mein Lebens­wil­le schwin­det. Ich sehe kei­nen Sinn mehr in allem. Dann schrei­be ich, das bringt Klar­heit in mei­ne Gefüh­le. Und am nächs­ten Tag geht es wie­der bes­ser. Schrei­ben, das bewah­ren von Erin­ne­run­gen, ist zum Groß­teil mein Lebens­in­halt gewor­den.

Schrei­ben ist ein­fach wun­der­voll. Etwas Ver­gan­ge­nes fest­zu­hal­ten — wo ich doch mei­ne gro­ße Lie­be nicht hal­ten konn­te. Trotz­dem ist es kein All­heil­mit­tel. Es ver­schafft mir Lin­de­rung zu bestimm­ten Zei­ten. Die wahn­sin­ni­ge Lee­re, das Gefühl auf die­sem Pla­ne­ten als Ali­en her­um­zu­wan­dern, die Schlaf­lo­sig­keit, das bleibt. Ich den­ke, das man da ein­fach durch muss, egal wie lan­ge es dau­ert. Es gibt kei­ne Abkür­zung.

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Steine im Bauch

Gera­de waren wir an der Saa­ler Müh­le, direkt nach dem wir Dich am Grab besucht hat­ten. Es ist ein super mil­der, war­mer, son­ni­ger Herbst­tag wie Du ihn auch geliebt hast. Als wir um den Teich schlen­der­ten kamen mir mit jedem Schritt mehr Stei­ne in den Bauch. End­lo­se Erin­ne­run­gen. Wie wir frü­her in den 80ern gemein­sam um den See gejoggt sind. Ich kann uns förm­lich sehen, wie wir auf hal­ber Stre­cke eine Geh­pau­se ein­le­gen, da wo jetzt das Klet­ter­ge­rüst steht, und an der Brü­cke, wo der Ablauf in einen Bach ist wie­der star­ten. Das Klet­ter­ge­rüst, an dem Max heu­te bis ganz nach oben geklet­tert ist, wo er frü­her doch Angst hat­te auch nur einen Fuß vom Boden zu heben. Bei jedem Schritt sehe ich glück­li­che Paa­re mit und ohne Kin­der. Es schnürt mir immer wei­ter die Luft ab – wie oft haben wir hier gestan­den und die Kin­der beim klet­tern beob­ach­tet. Als wir dann fast um den See her­um gelau­fen sind und auf den Kin­der­spiel­platz tref­fen ist es ganz vor­bei. Wie oft haben wir da in der Son­ne geses­sen und den Kin­dern beim spie­len zuge­schaut oder mit­ge­spielt. Dabei über alles mög­li­che gere­det, abge­läs­tert, oder Eis geschleckt. In jeder Frau, die da geht, steht, oder sitzt sehe ich Dich. In jedem Pär­chen uns. Als wir den See in Rich­tung Park­platz ver­las­sen stell ich mir vor ein­fach auf der Stra­ße ste­hen zu blei­ben, und mich vom nächs­ten Auto das um die Kur­ve kommt über­rol­len zu las­sen. Ein flüch­ti­ger, ver­lo­cken­der Gedan­ke, den­noch gehe ich wei­ter. Im Auto kom­men mir die Trä­nen. Ich will das ein­fach nicht mehr aus­hal­ten.

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Leere und Einsamkeit

Der Herbst ist eigent­lich mei­ne Zeit. Ich lie­be die son­ni­gen mil­den Herbst­ta­ge beson­ders. Gera­de heu­te wo der Him­mel blau ist und die Son­ne scheint. Trotz­dem, oder gera­de des­we­gen bin ich heu­te ziem­lich trau­rig. Heu­te hät­ten wir etwas gemein­sam unter­nom­men. Jetzt wer­den wir auf den Fried­hof fah­ren, Clau­dia qua­si abho­len, und dann an den See fah­ren, um eine Run­de zu lau­fen. Ich wer­de das Gefühl der Lee­re und Ein­sam­keit ein­fach nicht los. Da kann das Leben um mich rum­to­ben wie es will. Selbst wenn ich lache, reg­net es in mir drin. Ich will wie­der leben. Ich habe zwei­ein­halb Jah­re mit Clau­dia die Krank­heit durch­lebt, und bin mit ihr gestor­ben. Ich will das Leben wie­der­fin­den, oder will das es mich fin­det. Ist aber schwer. Viel­leicht ver­lan­ge ich auch ein­fach zu viel.

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