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Das Leben, und der ganze Rest…

Grenz­erfah­run­gen der schlim­men Art macht der Mensch ja an sich Gott sei dank nicht all zu häu­fig. Ich war ein­mal in der Höl­le und zurück, und es war wun­der­schön, ver­stö­rend, trau­rig.

Wenn Dei­ne gro­ße Lie­be stirbt, dann ist das was ande­res wie die Oma, oder der Hams­ter. Klar, da gibst´ auch viel Gefüh­le, Lie­be, oder eine gro­ße Erb­schaft.

Mei­ne Clau­dia habe ich beim ster­ben beglei­tet. Neun Tage lang, Tag und Nacht, schlaf­los, bis zum Ende. Ich habe ver­sucht sie in mich auf­zu­sau­gen. Buch­stäb­lich, jeden Augen­blick. Wenn jemand nicht ster­ben will, und Du nicht willst das er geht, dann ist das die Höl­le und der Him­mel zugleich. Ich habe noch nie in mei­nem Leben ein inten­si­ve­res Erleb­nis gehabt.

Jetzt ist es vor­bei. Ich bin befreit. Lache schon wie­der, und bin bereit mich neu zu ver­lie­ben, viel­leicht. Dabei ist die Beer­di­gung gera­de mal eine Woche her.
Viel­leicht lebt man sein Leben nach so einer Erfah­rung inten­si­ver. Mei­ne Clau­dia wer­de ich jeden­falls nie ver­ges­sen. Ich tra­ge sie für immer im Her­zen. Aber eben nicht wie eine Gal­li­ons­fi­gur vor mir her. Das Leben kommt immer nur von vor­ne, und da schaue ich auch hin.

Ich wün­sche Euch eine wun­der­ba­re Zeit. Folgt immer Eurem Stern!

Auch ver­öf­fent­licht unter: 15 Tage — Clau­di­as Darm­krebs Tage­buch

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Winter…

Momen­tan geht´s mir wie mit dem Som­mer­schluß­ver­kauf. Alles muss raus. Der Win­ter steht vor der Türe.

Und was is nu?

Mei­ne Kiki wird ster­ben. Das ist! Scho­ckiert? Wir haben uns das nicht aus­ge­sucht. Aber lei­der scheint Gott das von Anfang an mit ihr vor­ge­habt zu haben, und hat ihr nix davon gesagt — bis vor 30 Mona­ten. Frag mich nicht wie­so. FAP im 4. Sta­di­um, dazu seit neus­tem Meta­sta­sen in der Lun­ge, und eine Lebens­er­war­tung von 12 bis 15 Mona­ten. Die Sta­tis­ti­ker haben aber nicht mit ihrem Lebens­wil­len gerech­net. Nach neu­es­ten Erkennt­nis­sen geben die Ärz­te ihr noch 3–6 Mona­te. Scheiß was auf Sta­tis­ti­ken!

Verzweifelt?

In den lan­gen dämm­ri­gen Pha­sen schon (und davon gab´s bis­her ein paar, und wird´s noch ein paar geben). Wenn Du siehst wie sie von Monat zu Monat schwä­cher wird, tut das weh, wenn Du weist, das es nicht auf­zu­hal­ten ist. Nein, kei­ne Hei­lung, kei­ne Hoff­nung! War­um kapiert das kei­ner? Jedes mal wer­de ich danach gefragt, erklä­re ich es. Und jedes mal zer­reißt es mich. Kei­ne Hei­lung bedeu­tet unheil­bar. Der Tod kommt unauf­halt­sam, bald, und durch nix und nie­man­den auf­zu­hal­ten. Che­mo­the­ra­pi­en und Ope­ra­tio­nen (bis­her 2) geben nur einen klei­nen Auf­schub, ein klei­nes biss­chen Leben, mehr Qua­len — jede Woche neu. Und wenn die Dun­kel­heit dann lang­sam wie­der weg­geht, dann strahlt das Leben umso hel­ler. Bis zur nächs­ten Däm­me­rung.

Angst?

Und wie. Vor dem allein gelas­sen wer­den, oder ein­fach nur so — obwohl ich eine Men­ge lie­be Men­schen ken­ne, obwohl ich ein Figh­ter vor dem Herrn bin. Von Zeit zu Zeit geht mir der Arsch gehö­rig auf Grund­eis. Das größ­te Geschenk, das ich Ihr noch machen kann ist los zulas­sen. Bereit bin ich dazu noch nicht. Nenn es Lie­be, Ego­is­mus, oder Selbst­er­hal­tungs­trieb.

Hoffnung?

Alles was mich aus der Bahn wirft, bringt mich auf einen neu­en Weg.

Und nun?

Ich komm mir manch­mal vor wie im Film. Lie­be und Tod — die Zuta­ten für ein Dra­ma, ganz gro­ßes Kino. Nur bin ich nicht so mop­pe­lig wie Tom Hanks, und bekom­me auch kei­ne Mil­lio­nen Dol­lar fürs Dreh­buch. Aus­ge­sucht hab ich mir die Rol­le nicht. Sie hat mich aus­ge­sucht, und ich spie­le sie so gut ich kann. rein geschneit bin ich hier eigent­lich per Zufall, und hab mich nach ner Zeit ent­schlos­sen hier kurz zu ver­wei­len. Ich weiß momen­tan nicht so genau was ich hier suche — Mit­leid jeden­falls nicht. Bin ein bis­serl des ori­en­tiert. Viel­leicht suche ich auch ein­fach nur das Leben, ein paar net­te Leu­te, die damit umge­hen kön­nen, und mir nicht dau­ernd mit der Betrof­fen­heits­ma­sche kom­men. Ich weiß, es ist immer gut gemeint, und drückt aber trotz­dem nur irgend­wie die eige­ne Hilf­lo­sig­keit aus.

So, das war´s in aller Kür­ze. Wenn Du noch fra­gen hast zu dem The­ma, dann stel­le sie mir. Ich wer­de sie Dir viel­leicht bei einer Tas­se Tee, oder einem Glas Wein, oder einem Bier beant­wor­ten. Und dann lass mich ein­fach nur leben, bit­te…

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